POLITIK
04/11/2015 12:47 CET | Aktualisiert 04/11/2015 14:14 CET

Fremde verbinden Frauen die Augen. Dann hört man nur noch unterdrückte Schreie

UNICEF

Es ist der Horror-Raum, den keine Frau freiwillig betritt: eine schmutzige Lehmhütte, an der Tür ein Vorhang, in der Mitte eine einfache Plastikunterlage. Scheinbar ein Ort wie jeder andere in dem kenianischen Dorf, das geheim bleibt. Doch was hier geschieht, ist eine der schlimmsten Traditionen Afrikas. Eine Schande. Ein Skandal.

Seine Opfer sind Mädchen und junge Frauen. Manche sind gerade acht Jahre alt.

Eine grausame, blutige Prozedur

Der Raum dient nur einem Zweck: der weiblichen Genitalverstümmelung. Ein Ritual, das auch als weibliche Beschneidung bezeichnet wird, doch das nur der Unterdrückung und Demoralisierung von Frauen dient.

Der Fernsehsender CNN sprach mit zwei Frauen, einer Mutter und einer Tochter, die in der Schreckenshütte die blutige Prozedur vollziehen.

Zu Tode geängstigte Mädchen

"Jemand legt dem Mädchen eine Augenbinde an und legt es auf den Boden. Dann schneiden wir - dreimal. Dann gießen wir Alkohol über die Wunde", so schildern die Frauen, was sie den zu Tode geängstigten Mädchen antun.

Die Verstümmelung ist eine soziale Norm in Kenia, auch wenn sie hier noch vergleichsweise selten ist: 27 Prozent aller Frauen und Mädchen sind einer Studie der Weltgesundheitsorganisation zufolge beschnitten. Im benachbarten Somalia sind es 98 Prozent.

Die Mädchen trauen sich nicht, zu schreien

Die gesellschaftliche Bedeutung lässt sich am Verhalten der Opfer ablesen: "Wir halten den Mädchen den Mund zu. Doch sie schreien nicht einmal, denn dann würden ihre Altersgenossen sie verachten", erzählen die Beschneiderinnen.

Mit den blutigen Schnitten ist der Horror im Verstümmelungsraum noch lange nicht überstanden: Mehrere Wochen lang werden die Opfer anschließend in der Hütte gefesselt, um den Heilungsprozess zu beobachten. Dabei, sagen die beiden Frauen, reinigen sie die Wunde täglich mit Alkohol. Nach etwa einem Monat könnten die Mädchen schließlich entlassen werden.

Trauriges Symbol

Die Praxis ist seit 2011 in Kenia illegal, doch wird im Geheimen weitergeführt. Viele Kenianer sind der Ansicht, nur so ließen sich Moral und Enthaltsamkeit erreichen. Tatsächlich traumatisiert die Verstümmelung Generationen von Frauen. Der schmutzige Raum in einem kleinen Dorf ist das schändliche Symbol für den Unterdrückungsritus.

Video: Erniedrigender Zwei-Finger-Test: In diesem Land dürfen nur Jungfrauen zur Polizei

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite