WIRTSCHAFT
04/11/2015 11:12 CET | Aktualisiert 04/11/2015 11:28 CET

An alle Heuchler, die sich aufregen, wenn jemand Katzen isst

thinkstock
Katzen

Ein Bauer aus einem kleinen, idyllischen Dorf in der Schweiz schaffte es gestern in die Schlagzeilen. Der ältere Herr hat sich geweigert, die etlichen Katzen auf seinem Hof zu kastrieren. Aus einem einfachen Grund: Er möchte die kleinen, flauschigen Kätzchen lieber essen.

Das ist natürlich schockierend. Was ist das nur für ein schrecklicher Mensch, einfach unschuldige und schutzbedürftige Katzen zu töten, ihr zartes Fleisch anschließend in der Pfanne anzubraten um sie dann genüsslich zum Abendessen zu verspeisen!

Ekelhaft. Moralisch verwerflich. Irgendwie gestört und pervers der Typ, denkt ihr euch jetzt. Oder?

Ich hab eine schlechte Nachricht für euch: Nicht der Schweizer Bauer ist gestört. In Wahrheit seid ihr, die euch laut darüber empört, die Gestörten.

Es ist völlig in Ordnung, dass er seine süßen Kätzchen isst. Genauso wie es für euch völlig in Ordnung ist, zum Mittagessen in ein saftiges Schnitzel zu beißen und abends eine große Ladung Salami auf eure Brotscheibe zu packen. Mmmmh, lecker Schwein.

Ich höre immer einen lauten Aufschrei, wenn Chinesen ihre Hunde grillen, Vietnamesen die Eingeweide der Katzen verzehren oder sich vor allem peruanische Kinder am liebsten Meerschweinchen schmecken lassen. Oder wenn euch Pferdefleisch untergeschoben wurde. Pfui aber auch.

Warum stört euch das?

Es macht keinen verdammten Unterschied, ob wir eine Katze oder ein Schwein, einen Hund oder eine Kuh, ein Pferd oder ein Rind essen. Keinen einzigen.

Ihr seid es, die eine Grenze zwischen Tieren zieht, die einfach keinen Sinn macht. Die einen Tiere sollen zum Liebhaben sein, zum Streicheln, sie sollen euch Vergnügen bringen – eine emotionale Bindung wollt ihr zu eurem Tier aufbauen.

Die Tiere, die aus eurem willkürlichem Liebhab-Raster herausfallen, haben leider Pech gehabt. Nutztiere, so nennt ihr sie, sollen schließlich einen Vorteil bringen: Ihr könnt immer dann Fleisch essen, wenn ihr Lust darauf habt. Ein wirklich praktisches System habt ihr euch da zurechtgelegt.

Nur leider beweist euer Denken, wie schizophren ihr seid. Ihr beißt in den Schweinebraten, während ihr das süße Hündchen unter eurem Esstisch streichelt. Ihr verdrängt, dass das Schwein, auf dem ihr gerade genüsslich rumkaut, genauso leidensfähig, genauso erlebensfähig ist, wie euer Hund, der sich gerade entspannt und satt in die Ecke gelegt hat.

Warum zieht ihr diese willkürliche Grenze?

Ein kurzer Blick auf unsere Geschichte beweist, dass das wirklich ziemlich bescheuert ist: Denn vor einiger Zeit hatten wir kein Problem damit, süße Tierchen zu essen.

Von 1904 bis 1924 haben unsere Vorfahren in München, Chemnitz und Breslau zusammen etwa 42.000 Hunde geschlachtet. Hundefleisch gab es oft zu festlichen Anlässen: geschnetzelte Hundeleber, Schulterfilet in Tomatensauce oder sogar Hundekeule garniert mit jungen Ratten. Für unsere Vorfahren klang das lecker.

Doch das änderte sich. Seit 30 Jahren unterstützt der Gesetzgeber eure Doppelmoral beim Fleischgenuss. Denn das Tierschutzgesetz verbietet es, Hunde und Katzen zu töten und daraus ein Gericht zuzubereiten.

Nun erwidert ihr: "Aber ich bin zu einer anderen Zeit, in einer anderen Kultur als die Menschen damals aufgewachsen." Ja, das kulturelle Umfeld, in dem ihr aufwachst, spielt eine Rolle. Es sagt euch, welche Tiere ihr essen dürft und welche nicht. Ihr lernt, die einen Tiere zu mögen und streicheln, während ihr die anderen züchtet, ausbeutet und esst.

Das verstehe ich.

Aber darauf könnt ihr euch nicht ausruhen. Ihr müsst einmal kurz euren Verstand einschalten, während ihr euch über die Leute empört, die Kätzchen essen. Nur kurz.

Dann merkt ihr: Ihr empört euch, weil ihr Tiere liebt, oder? Ihr findet es falsch, sie zu töten und essen. Weil ihr wisst: Sie haben Gefühle, sie wollen leben.

Aber das Schwein, das Huhn und die Kuh wollen genauso leben. Lasst sie doch.

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