WIRTSCHAFT
03/11/2015 06:20 CET | Aktualisiert 04/11/2015 04:31 CET

Was Aldi und Lidl tun, um ihren Umsatz-Rückgang auszugleichen

Weg vom Billig-Discounter, hin zum schönen Einkaufserlebnis: Aldi und Lidl überarbeiten ihre Konzepte.
dpa
Weg vom Billig-Discounter, hin zum schönen Einkaufserlebnis: Aldi und Lidl überarbeiten ihre Konzepte.

Billig alleine reicht nicht mehr. Das spüren Deutschlands Discounter immer deutlicher. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) büßten die Billiganbieter allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres zwei Prozent Umsatz ein. In den „klassischen Supermärkten“ lief das Geschäft dagegen prima.

Die einst so erfolgsverwöhnten Billigheimer leiden unter akutem Kundenschwund. „Käuferverluste sind einer der Hauptgründe für die anhaltende Umsatzschwäche dieser Vertriebsschiene“, bilanziert die GfK. Daran habe auch der von den Discountern in den vergangenen Monaten angezettelte Preiskampf bei Markenartikeln nichts ändern können.

Dennoch wäre ein Abgesang auf die Billiganbieter verfrüht. Denn Aldi, Lidl und andere sind gerade dabei, sich im Kampf um die immer anspruchsvoller werdenden Kunden neu zu erfinden. Das spiegelt sich im Ladendesign, im Warenangebot, aber auch im Umgang mit den Kunden - zumindest in einigen ausgewählten oder neuen Filialen.

Was Aldi und Lidl tun, um ihr Schmuddel-Image zu verbessern:

1. Die Läden werden schicker

„Sowohl Aldi als auch Lidl erproben derzeit Formate, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären“, urteilt das Fachblatt „Lebensmittel Zeitung“. So präsentiere sich die gerade eröffnete Filiale von Aldi Süd in Karlsdorf-Neuthard bei Karlsruhe in neuem Design mit hellem Holz und großen Glasfronten.

2. Kundenservice wird wichtig genommen

In dem neu eröffneten Aldi gibt es jetzt eine Kundentoilette und eine Sitzbank mit Kaffeeautomat hinter der Kassenzone.

Doch auch Aldis größter Konkurrent schläft in Sachen Service nicht: In den neu eröffneten Lidl-Filialen in Italien gibt es inzwischen sogar Wickelecken für Kleinkinder. Um auch junge Familien als Kunden zu halten, gestaltet der Discounter einen Einkauf also zunehmend familienfreundlicher. Breit genug für Kinderwägen sind die Gänge jedenfalls schon lange.

3. Mehr frische Produkte und Marken

Auch das Warengebot der Discounter ist seit Jahren im Wandel. Backstationen, Frischfleisch und Fisch aus der Kühltheke sowie immer mehr Markenartikel in den Regalen sollen für die Kunden den zusätzlichen Besuch im Supermarkt überflüssig machen - und setzen nebenbei den lokalen Bäckern und Metzgern zu.

4. TV-Werbung für neues Image

Die Werbung der Discounter beschränkt sich längst nicht mehr auf großformatige Zeitungsannoncen und Handzettel mit Aktionsangeboten.

Lidl investierte in diesem Jahr Millionen in Fernsehwerbespots unter dem Motto „Was gut ist“, die nicht in erster Linie Produkte verkaufen, sondern das Image des Unternehmens aufwerten sollten.

5. Lade-Stationen für Elektro-Autos

Aldi Süd bietet seinen Kunden an rund 50 Filialstandorten die Möglichkeit, ihre Elektroautos kostenfrei an Schnellladestationen aufzufüllen. Auch wenn die Elektrotankstellen durchschnittlich nur von zwei Kunden pro Tag genutzt werden, ist so viel Umweltbewusstsein gut fürs Image.

6. Website und Musik-Dienst für Kinder und Jugendliche

Verstärkt wendet sich Aldi einer neuen Zielgruppe zu: Kindern, Jugendlichen und jungen Familien. Mit Sammelkarten und seit dieser Woche auch mit der Website aldilino.de, einem Portal auf dem Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren sowohl Unterhaltungs- als auch Wissensspiele spielen können.

Für Jugendliche bietet der Discounter in Zusammenarbeit mit dem Streaming-Anbieter Napster für kleines Geld den Musik-Dienst aldilife.de an.

Fazit: Auch wenn sie im Moment eine Schwächephase haben: Niemand sollte die Discounter unterschätzen.

Mit Material von dpa

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