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02/11/2015 05:49 CET | Aktualisiert 27/12/2015 09:33 CET

Niemand wollte im Zug neben dieser Frau sitzen – ein Mann zeigte allen, wie falsch das ist

Facebook

Eine kleine Geste kann große Wirkung zeigen – das beweist die Geschichte von Dante Jamie Coyne. Der 25-Jährige arbeitet als Ingenieur in Woking, einer Kleinstadt südlich von London. Vergangene Woche fuhr er mit dem Zug von seinem Wohnort zur Arbeit. Es war früh am Morgen, der Zug war laut Coyne gerappelt voll, es war kein Sitzplatz mehr zu ergattern.

Dabei fiel ihm auf, dass ein Abteil trotzdem komplett leer war – bis auf eine einzige Frau. Sie trug einen Niqab, also einen muslimischen Gesichtsschleier, bei dem nur die Augenpartie sichtbar ist. Die fünf Sitze um sie herum waren frei, anscheinend wollte sich niemand auch nur in ihre Nähe setzen. Gegenüber dem Online-Portal "BuzzFeed" sagte Coyne, dass die Leute in der Nähe ihr feindliche Blicke zuwarfen und sie absichtlich mieden.

„Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich über alles Scherze mache“, schrieb er später auf Facebook. Im Hinblick auf den Umgang der Passagiere mit der Muslima sagte er: „Aber ich würde niemals wollen, dass sich jemand wegen mir unwohl fühlt.“ Das schien bei den Mitfahrern in dem Zug offensichtlich anders zu sein.

Doch Coyne wollte sich damit nicht abfinden.

Deswegen entschloss er sich, ein klares Zeichen zu setzen. Er stand auf und sagte laut und deutlich: „I’ll sit here then“ – „Ich werde mich hier hinsetzen.“ Für den 25-Jährigen war es einfach das, was man in diesem Moment tun musste. Coyne sagte: Sie sei ein Mensch, der unfair behandelt wurde und er habe ihr den Respekt gegeben, die sie verdient habe.

coyne muslimin zug

Bevor die verschleierte Frau ausstieg, nickte sie ihm zu und flüsterte „danke“. Coyne schrieb später auf Facebook, dass die beiden die ganze Fahrt über kein Wort gesprochen hatten.

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Coynes Botschaft ist klar: „Leute, habt nicht so viele Vorurteile!“ Mit dem Hashtag #dontjudgebooksbythecover – also „bewertet Bücher nicht nach ihrem Cover“ – postete Dante Jamie Coyne seine Erfahrung auf Facebook noch während er im Zug saß. Die Geschichte ging in den sozialen Netzwerken als Zeichen für Toleranz viral.

coyne

Sein Post wurde über 40 000 mal geliked. Coyne reagierte überrascht auf die große Aufmerksamkeit. Er schrieb aber auch, dass der Vorfall ihn traurig mache. „Ich bin immer noch geschockt, dass etwas so hoch gelobt wird, was für mich normal ist“, schrieb er weiter im sozialen Netzwerk. Hunderte Menschen schrieben ihm ihre Erfahrungen mit Rassismus im Alltag.

Vor allem muslimische Frauen nahmen Kontakt zu ihm auf und beschrieben ihre Erfahrungen. So schreibt zum Beispiel eine Sara Ghafira; „Bei mir ist es genauso, wenn ich meine Hijab trage“. Und eine Frau mit dem Namen Danielle Allen sagte: „Ich konnte nicht anders als zu weinen... Ich kenne das Gefühl nur zu gut! Danke dir!“ Eine weitere Userin dankte ihm, dass er den Tag von jemand anderem „ein wenig leichter“ gemacht habe.

facebook coyne

Coyne hat sich mittlerweile von Facebook abgemeldet. In seinem letzten Post schrieb er, dass er auf die meisten Nachrichten persönlich geantwortet habe. Jetzt würde er aber eine Pause von Facebook brauchen und ein paar Tage mit seiner Freundin und Familie verbringen.

Was von der Geschichte bleibt, ist seine Botschaft. Es ist eine Botschaft der gelebten Toleranz und des Mutes, im Alltag auf Rassismus und Diskriminierung zu reagieren.

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