POLITIK
02/11/2015 22:30 CET | Aktualisiert 02/11/2015 22:34 CET

"Tagesspiegel"-Journalist wurde nach Kommentar zu Pegida niedergeschlagen

Der Journalist Helmut Schümann
Wikimedia Commons
Der Journalist Helmut Schümann

Die Täter kamen von hinten. Ein Journalist des Berliner "Tagesspiegels" ist nach Veröffentlichung einer kritischen Kolumne auf der Straße niedergeschlagen worden. Er sei am Freitag im Berliner Stadtteil Charlottenburg namentlich und auf den "Tagesspiegel" angesprochen worden, als "linke Drecksau" bezeichnet und von hinten angegriffen worden, erklärte der Journalist Helmut Schümann auf seiner Facebook-Seite.

Schümann schrieb den Angriff Rechtsradikalen zu. Er wertet ihn als Reaktion auf seinen Text "Ist das noch unser Land?", den er am Tag zuvor im "Tagesspiegel" veröffentlicht hatte.

Darin verurteilte der Redakteur unter anderem Hetze gegen Flüchtlinge. Pegida und die Alternative für Deutschland (AfD) versuchten, Demokratie und Humanität auszuhebeln, kritisiert er. Die Chefredaktion des "Tagesspiegels" zeigte sich entsetzt von dem Vorfall. Es sei ein Angriff auf den Kollegen "und zugleich einer auf die Presse- und Meinungsfreiheit", erklärte sie.

Schümann war von hinten gegen den Oberkörper geschlagen worden. Durch den Schlag stürzte er auf den Boden, trug aber nur einige Schürfwunden am Bein davon. Schümann erstattete den Angaben zufolge Anzeige wegen Körperverletzung und Beleidigung.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) verurteilte den Vorfall. Er bezeichnete ihn als "abscheulichen Angriff auf den unabhängigen Journalismus und die Pressefreiheit". Dies sei zudem kein Einzelfall mehr. Die Gewalt gegen Journalisten durch politische Extremisten nehme derzeit zu. Ihr müsse mit der ganzen Härte des Gesetzes begegnet werden, hieß es.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) nannte Angriffe auf Journalisten "völlig inakzeptabel". "Es gibt eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber einem ganzen Berufsstand, die unerträglich ist." Weiter stellte der CDU-Politiker fest: "Die Verunglimpfung unserer Medien als "Lügenpresse", Drohungen und Angriffe gegen Journalisten, Politiker, Ehrenamtliche, das alles sind Symptome einer schleichenden Vergiftung. Dagegen müssen wir alle zusammenstehen."

Mit Material der DPA

Deutschland streitet über Flüchtlingskrise - der Innenminister fährt in Urlaub

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite