VIDEO
02/11/2015 16:43 CET | Aktualisiert 27/12/2015 09:33 CET

Deutschland kann die Flüchtlingskrise finanziell locker meistern

dpa

Eine Million Flüchtlinge müssen Schätzungen zufolge in diesem Jahr in Deutschland integriert werden. Menschen, die Sprachkurse brauchen, die nicht aus dem Stand eine Arbeit aufnehmen können, denen hier alles fremd ist. Das wird nicht nur eine schwere, sondern auch eine teure Aufgabe - könnte man meinen.

Doch die Flüchtlinge überfordern Deutschland nach Ansicht des Ökonoms Marcel Fratzscher nicht – zumindest finanziell. Das sagt der amtierende Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gegenüber n-tv.

Kein besserer Zeitpunkt, Flüchtlinge aufzunehmen

Fratzscher sieht die finanziellen Belastungen, die auf den Staat zukommen, demnach "entspannt“: "Wenn man die letzten 70 Jahre zurückschaut, könnte es eigentlich keinen besseren Zeitpunkt geben, um mit der Herausforderung umzugehen.“

Er rechne mit 15 Milliarden Euro Überschuss der öffentlichen Haushalte für 2016. Dabei sind die knapp 10 Milliarden, die ohnehin für Flüchtlinge vorgesehen sind, schon in die Haushaltskalkulation einberechnet. Das bedeutet einen großen Puffer für zusätzliche Ausgaben. Fratzscher geht davon aus, dass Finanzminister Schäuble mit dem deutschen Haushalt trotz der zusätzlichen Belastung 2015 und 2016 schwarze Zahlen schreiben wird.

Flüchtlinge nehmen weder Geld noch Arbeit weg

Doch nicht alles läuft perfekt. Der Wirtschaftsforscher kritisiert Politiker, die mit den Ängsten der deutschen Bürger spielen würden. So sei die Sorge, dass "weniger Geld für uns" übrig wäre, falsch. Wegen der Ausgaben für Flüchtlinge müssten keine Sozialleistungen oder Renten gekürzt werden. Stattdessen müsse man die Ausgaben als Investition sehen, ähnlich wie bei der Bildung von Kindesbeinen an. Auch hier komme das Geld erst Jahre wieder zurück in die öffentlichen Kassen, wenn die Kinder später als Berufstätige Steuern zahlen.

Zudem nähmen Flüchtlinge keine Arbeitsplätze weg. Die aktuelle Arbeitslosenquote sei so niedrig wie fast nie zuvor. 600.000 Stellen seien ausgeschrieben. "Und wie soll ein ein Flüchtling, der wenig Deutsch spricht, einem Deutschen den Job wegnehmen?“, fragt Fratzscher.

Bilanz bisher: "kläglich"

Die wichtigste Herausforderung sei nun, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu bringen. "Da geht es um Ausbildung, Fortbildung. Und da brauchen wir diesen Kraftakt.“ Zwei Drittel der Flüchtlinge sei unter 25 und müsse zur Schule oder in die Ausbildung. Dafür müssten die nötigen Plätze geschaffen werden. Die bisherigen Initiativen von vielen Unternehmen nennt Fratzscher "kläglich“.

FOCUS Online vor Ort in Passau: Psychische Belastung und Österreich-Tricks: Polizist redet Klartext zu Flüchtlingskrise

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite