WIRTSCHAFT
02/11/2015 07:03 CET | Aktualisiert 26/01/2016 10:50 CET

Darum werden Aldi und Lidl schon bald große Schwierigkeiten haben

Knackiges Gemüse, frische Milch und saisonales Obst mit ein paar wenigen Klicks bestellen - und schon wenige Stunden später klingelt der Kurier an der Tür und liefert: Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Bislang dauerte es eher 24 Stunden, bis Händler wie Rewe ihre Kunden nach einer Onlinebestellung mit frischen Produkten versorgten.

Doch damit könnte es bald vorbei sein: Denn Experten rechnen damit, dass der weltgrößte Onlinehändler Amazon das Geschäft völlig neu aufrollt. Und das sind extrem schlechte Nachrichten für Aldi, Lidl und Rewe.

Schon nächstes Jahr könnte der US-Konzern seinen Dienst "Amazon Fresh" nach Deutschland bringen - einen virtuellen Supermarkt, der innerhalb weniger Stunden frische Ware liefert. In den USA und Großbritannien ist Amazon mit dem Konzept bereits in Großstädten erfolgreich.

Bislang liefert Amazon unter dem Namen "Amazon Pantry“ bereits haltbare Lebensmittel wie Nudeln oder Süßigkeiten.

Amazon im Vorteil gegenüber Aldi und Lidl

Für Discounter wie Aldi und Lidl könnte das neue Amazon-Angebot für frische Lebensmittel ein ernsthaftes Problem werden. Einerseits kann Amazon auf einen immensen Datenschatz zugreifen und so das Einkaufsverhalten der Kunden treffsicherer abschätzen als gewöhnliche Discounter.

"Amazon startet nicht zufällig mit den loyalen Prime-Kunden. Deren Verhalten kennt das Unternehmen besonders gut, ihnen kann es zielgerichtete und personalisierte Angebote machen", sagte der Handelsexperte Thomas Täuber von der Unternehmensberatung Accenture der "Welt". In diesem Punkt könnten die deutschen Discounter nicht mithalten.

Ein weiterer Vorteil des Online-Riesen gegenüber den Discountern: Amazon kann beispielsweise Lebensmittel-Abos mit günstigen Angeboten kombinieren. Solche Modelle könnten einen langfristigen Einfluss auf das Einkaufsverhalten der Verbraucher nehmen.

"Es wird spannend sein, zu sehen, wie der Verbraucher sich entscheidet: Wickelt er seinen Wocheneinkauf weiter in den Läden ab, oder steigt er auf Online-Abo-Services mit der regelmäßigen Nachbefüllung von Grundnahrungsmitteln um?", sagt Handelsexperte Täuber.

Gerade Jüngere, die länger arbeiten, dürften zur Zielgruppe eines solchen Angebots gehören. Von ihnen nutzen viele bereits ohnehin die Dienste von Amazon.

Vorratsbox von Lidl auf dem Markt

Doch Aldi und Lidl wollen Amazon das Feld nicht kampflos überlassen. Mit der Vorratsbox verschickt Lidl seit wenigen Wochen Lebensmittel an seine Kunden. Der Kunde muss allerdings mehrere Tage auf die Lieferung warten. Aldi testet derzeit auch ein eigenes Liefermodell in Großbritannien.

Wer beim Versandhandel von Lebensmittel am Ende das Rennen macht, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Der große Durchbruch ist bislang indes noch keinem Anbieter gelungen.

Doch die Chancen sind enorm: Erst rund ein Prozent der Deutschen erledigen ihre Lebensmitteleinkäufe online. Wenn "Amanzon Fresh" nächstes Jahr nach Deutschland kommt, könnte sich das aber radikal ändern.

"Die Zustellung von Lebensmitteln, die wir täglich brauchen, könnte für Amazon den nächsten größeren Wachstumsschub bedeuten", sagte daher Christian Kille, Professor für Handelslogistik an der Hochschule Würzburg, der "WirtschaftsWoche".

Wie das am Ende funktionieren wird? Kille hält es für wahrscheinlich, dass Amazon mit der Lieferung durch kleinere Kurierdienste die Zulieferung von Lebensmitteln plant.

Bestätigt hat Amazon das alles bislang nicht.

Aber Amazon hat schon einmal gezeigt, dass das Unternehmen den Handel revolutionieren kann. Wieso also nicht noch einmal?

Wirtschaft: Seit dieser Woche verarscht Lidl wieder seine Kunden

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