WIRTSCHAFT
01/11/2015 05:41 CET | Aktualisiert 04/11/2015 05:56 CET

Gammelgate: Bei Vapiano kamen gammlige Lebensmittel auf den Tisch

dpa
Schwere Vorwürfe gegen die Restaurant-Kette

Die mediterran anmutende Pastakette Vapiano ist erfolgreich, mit über 160 Filialen verbreitet und kommt bei vielen gut an. Doch in den letzten Monaten verdichteten sich die Anzeichen, dass der Hype um Vapiano seinen Höhepunkt erreicht haben könnte: Neben zunehmender Kundenkritik kratzte auch der Skandal über die massenhafte Manipulation von Arbeitszeitkonten arg am Image der selbstbewussten Restaurant-Kette.

Nun sorgt das Bonner Unternehmen erneut für negative Schlagzeilen: Nach Informationen der "Welt am Sonntag" wurden in einigen Restaurants die Haltbarkeitsdaten von Lebensmitteln nachträglich verändert. Die Zeitung beruft sich auf die Aussagen aktueller und ehemaliger Angestellter. Betroffen sind unter anderem Filialen in München, Frankfurt am Main, Hannover und Köln.

Nudeln mit grünlichem Schimmer

So sollen bei Fleisch und Gemüse einfach die Haltbarkeitsdaten überklebt worden sein. Die Zeitung berichtet außerdem, dass immer wieder Lebensmittel auf den Teller kamen, die teils "merkwürdig rochen" und nicht mehr appetitlich waren. "Die Nudeln, die wir verkauft haben, hatten manchmal einen grünlichen Schimmer. Der Kunde merkt das nicht, da kommt ja Soße drüber", erklärte ein ehemaliger Vapiano-Mitarbeiter aus München.

Der Tenor ist eindeutig: Bei Vapiano wurde Gammelware serviert. Ein früherer Mitarbeiter aus einer Filiale in Frankfurt berichtete von Hähnchen, dass bereits ziemlich "eklig" gerochen habe. "Da hat dann mein Chef gesagt: Mach einfach den Wok heißer, dann schmeckt man es nachher nicht mehr", sagte er.

Vapiano bestreitet Vorwürfe

Die "Vapiano-Whistleblower" bestätigten der Zeitung ihre Vorwürfe mit eidesstattlichen Versicherungen. Teilweise packten sie sogar vor laufender Kamera über die Machenschaften aus. Zudem liegen der "Welt am Sonntag" Fotos von überklebten Haltbarkeitsdaten von Nudeln und Fleisch vor.

In einer Stellungnahme bestreitet Vapiano die Vorwürfe. Auf seiner Facebook-Seite erklärte das Unternehmen, dass die Vorwürfe nicht stimmten: "Frische ist der Kern unserer Marke. Frische ist unser Versprechen! Deshalb können wir uns nicht vorstellen, dass es solche Fälle wie von der WamS geschildert tatsächlich gegeben hat."

Fehlt es an rechtlicher Handhabe?

Die gesetzliche Lage ist in solchen Fällen nicht eindeutig: Gastronomen dürfen abgelaufene Lebensmittel noch verkaufen. Dies gilt besonders bei selbstgesetzten Haltbarkeitsdaten. Allgemeine Vorgaben, wie lange ein Restaurant etwa aufgetauten Fleisch und frisches Gemüse verkochen darf, gibt es nicht.

Doch die gegen Vapiano gerichteten Vorwürfe gehen weit darüber hinaus. Sind die Anschuldigungen wahr, wäre dies ein erneuter schwerer Schlag für das Unternehmen. Die glorreichen Zeiten von Vapiano, das einst auszog, um die Burgerbrater mit seiner ganz eigenen Idee von Fast-Food vom Thron zu stürzen, dürften dann der Vergangenheit angehören.

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