POLITIK
31/10/2015 06:30 CET | Aktualisiert 31/10/2015 06:57 CET

Flüchtlinge verschwinden aus Unterkünften - und niemand findet sie wieder

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Das erste, was Flüchtlinge in unserem Land kennenlernen, ist die unerbittliche Bürokratie. Jeder Asylsuchende wird registriert, in das System aufgenommen, kontrolliert. Jeder? Nein, das bürokratische Netz lässt aktuellen Berichten zufolge regelmäßig Einwanderer durchfallen. Die sind dann weg, verschwunden aus dem sorgsam verwalteten Asylsystem oder gar nicht erst registriert.

Die größten Fälle:

1. In Niedersachsen verschwanden von 4000 in Kommunen aufgenommenen Flüchtlingen 700.

2. Aus einem Lager nahe dem bayerischen Erding gingen 580 Menschen, ohne registriert worden zu sein.

3. In Brandenburg entziehen sich mehrere Hundert Flüchtlinge pro Woche einer Registrierung, wie "Focus Online" berichtet.

Unregistriert abgetaucht

Mittlerweile sind bereits Tausende Asylsuchende unregistriert oder mit unbekanntem Aufenthaltsort verschwunden. Meist verlassen sie ihre Unterkünfte kurz nach der Aufnahme. Eigentlich sollten sie von den Behörden durch den Integrationsprozess begleitet werden. Das Gesetz besagt, dass die Einwanderer gleich nach ihrer Einreise registriert werden müssen.

Was läuft falsch? Wie kann es überhaupt sein, dass die Neuankömmlinge einfach verschwinden? Diese 4 Gründe erklären, wieso den Behörden die Kontrolle über die Flüchtlinge fehlt.

1. Flüchtlinge reisen weiter zu Bekannten

Deutschland ist auch deshalb so beliebt bei Flüchtlingen, weil sie bereits Verwandte und Freunde in dem Land haben. Daher ziehen viele Asylbewerber einfach zu bekannten, statt in einem Flüchtlingsheim zu bleiben. Der OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig sieht dieses Verhalten jedoch nicht als problematisch an. Diese "entziehen sich damit ja nicht dem Zugang zu Integrationsmöglichkeiten", sagte er "Focus Online".

2. Abtauchen in die Illegalität

Asylbewerber mit schlechten Chancen auf ein dauerhaftes Bleiberecht verschwinden, um nicht ausgewiesen werden zu können. "Diese Personen tauchen möglicherweise unter, um illegal zu arbeiten", sagte Liebig.

3. Deutschland als Zwischenstation

Nicht alle Flüchtlinge möchten in Deutschland bleiben. Ebenfalls beliebt als Asylziel ist Schweden. Insbesondere Syrer, die sich frei bewegen dürften, reisten häufig weiter, sagte der Dingolfinger Landrat Heinrich Trapp (SPD) dem Bayerischen Rundfunk.

4. Doppelt und dreifach registriert

Nicht alle Flüchtlinge verschwinden vom Radarschirm der Behörden - doch auch, wer sich brav auf dem Amt meldet, kann verwaltungstechnisch verloren gehen: Die Flüchtlinge kommen in Deutschland ohne Personaldokumente an und nennen ihren Namen. Wenn sie sich in mehreren Städten registrieren, verlieren die Behörden den Überblick - auch wegen Namen, die in anderen Schreibweisen auftauchen.

Karte der Flüchtlingsländer: Animation zeigt Flüchtlingsstrom in Europa seit den letzten drei Jahren

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