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31/10/2015 09:17 CET | Aktualisiert 31/10/2015 14:58 CET

Die kranke Welt des Silvio S.: So lebte der Mann, der Elias und Mohamed tötete

Kaltenborn liegt im abgeschiedenen Nirgendwo von Brandenburg. In einem der letzten Häuser vor der Ortsgrenze lebte Silvio S. bei seinen Eltern in einer Doppelhaushälfte. Der Sohn im oberen Stockwerk, Mutter und Vater im Erdgeschoss.

Seit Donnerstag gehört Kaltenborn, ein Ortsteil der Gemeinde Niedergörsdorf, zu jenen Orten, die man aus den Nachrichten kennt. Der 32-jährige Silvio S. hat gestanden, den vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed in Berlin entführt, sexuell missbraucht und anschließend erwürgt zu haben. Er hat außerdem zugegeben, den seit Juli verschwundenen sechsjährigen Elias aus Potsdam getötet zu haben.

Leiche im Kofferraum

Das weiße Auto, in dem die Polizei nach Hinweisen der Eltern des 32-Jährigen die Leiche von Mohamed fand, ist inzwischen abtransportiert. Im Kofferraum des Wagens lag der mit Katzenstreu bedeckte Kinderleichnam. Nun steht vor dem Elternhaus nur noch eine einzelne, schwach flackernde Grableuchte auf dem Rasen. Jemand hat eine weiße Rose danebengelegt.

84 Menschen leben in Kaltenborn. "Dass Silvio noch bei seinen Eltern wohnte, ist auch für die Gegend hier ungewöhnlich", sagt ein Mann, der nur wenige Meter von dessen Elternhaus einen Bauernhof betreibt. Die meisten Bewohner von Niedergörsdorf wollen nicht über das sprechen, was sich in ihrem Ort zugetragen hat.

Täter mit einer kranken Psyche

"So etwas ist hier noch nie passiert. Das ist schrecklich", sagt der Bauernhof-Besitzer. Silvio S. sei ihm häufig auf dem Fahrrad begegnet, dann habe er nett gegrüßt. Er sei immer wie die anderen jungen Leute hier im Ort gewesen. Nichts an ihm sei irgendwie auffällig gewesen.

Die Einschätzung von Kriminalpsychologen aber wird wohl zu dem Ergebnis kommen, dass der mutmaßliche Täter eine kranke Psyche hat. "Bei solchen Personen kann der Wunsch, ein Geschwisterkind zu haben oder mit Jungs zu spielen, dann auch eine sexuelle Färbung annehmen", sagte der ehemalige Direktor der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden, Rudolf Egg.

"Hat er das Sprechen je gelernt?"

Die Großmutter und Schulkameraden beschreiben Silvio S. als Sonderling, als Einzelgänger ohne soziale Kontakte. Eine Freundin hatte er wohl nie. Die "Bild"-Zeitung hat den Eintrag im Abschluss-Jahrbuch seiner Schule veröffentlicht. Seine Mitschüler schreiben dort: "Über ihn kann man nicht sehr viel sagen. Nur fragen: Hat er das Sprechen je gelernt? Von unserer Clique war er weit entfernt."

Die Eltern müssen gemerkt haben, dass ihr Sohn nie so ganz dazu gehörte. Aber ein Mörder, der mehrere monatelang in einer Schrebergartensiedlung im 30 Kilometer entfernten Luckenwalde die Leiche eines kleinen Jungen versteckte?

"Leute, die sowas machen, sind krank"

Ob es sich bei dem Leichnam in dem braun eingeschlagenen Paket, das die Polizei am Freitag in der Siedlung sicherstellte, tatsächlich um den toten Elias handelt, wird die Obduktion am Montag zeigen. Zweifel daran bestehen aber nur wenige.

In Luckenwalde, dem 20.000-Einwohner-Städtchen, hat sich der schreckliche Fund in der Kleingartenanlage am Ortsrand schnell herumgesprochen. Der mutmaßliche Doppelmörder gab selbst den Hinweis auf den Ort, als er gestand, nicht nur Mohamed, sondern auch Elias missbraucht und dann getötet zu haben.

Schmerzliche Erinnerung

Das ganze Gebiet ist abgesperrt, keiner darf hinein. Das rot-weiße Plastikband und das grelle Flutlicht passen so gar nicht zu den sauber zurechtgestutzten Hecken, den Gartenzwergen, den kleinen Holzhäuschen mit den Blumenbeeten davor. Zwei Frauen stehen auf Zehenspitzen an einem der Zäune und schauen über die Absperrung. "Leute, die sowas machen… krank sind die", sagt eine von ihnen.

Genau hinter der Siedlung, in dem Silvio S. wohl die Kinderleiche versteckte, ist ein Spielplatz, daneben eine Kita. Der Gedanke, dass nur wenige Meter von den spielenden Kindern entfernt das Leben eines kleinen Jungen ein so jähes Ende nahm, wird die Bewohner von Luckenwalde so schnell wohl nicht mehr loslassen.

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