POLITIK
29/10/2015 03:27 CET | Aktualisiert 29/10/2015 03:35 CET

Vor dem Selbstmord: CDU-Abgeordneter schreibt emotionalen Abschiedsbrief

dpa

Es ist ein Thema, das Tausende Familien in Deutschland bewegt. Ein Thema, über das Schwerkranke mit ihren Angehörigen reden. Nicht selten fließen dabei Tränen. Es geht um die Sterbehilfe und den Wunsch vieler alter oder unheilbar kranker Menschen, zu sterben. In Deutschland ist die Sterbehilfe noch verboten. Wer von einem Arzt begleitet in den Tod gehen will, muss in die Schweiz oder nach Belgien reisen.

So tat es auch Wolfgang D. Kramer. Kramer fuhr im September in die Schweiz, um dort die Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Der Grund: Kramer litt an einer Spinalkanalverengung an den Halswirbeln und wäre nach und nach gelähmt worden.

Das Besondere an dem Fall: Kramer war CDU-Mitglied und hinterlies einen Abschiedsbrief für den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert. Der Hintergrund: Derzeit debattiert der Bundestag über eine Neuregelung der Sterbehilfe - am Ende könnte sie auch in Deutschland legal werden. Genau dafür plädiert Kramer in seinem emotionalen Abschiedsbrief.

Kramer schreibt in dem Brief (hier als PDF):

„Das ist der Brief eines Menschen, der auf ein langes Leben zurückblicken kann... Ich wähle den Freitod, weil ich eine Spinalkanalverengung an vier Halswirbeln habe und allmählich in die Lähmung hineinwachse. Ich hadere nicht mit meinem Schicksal, glaube aber zu wissen, dass ich sehr unglücklich werde, wenn ich nicht bald Schluss mache.“

Die Mitglieder in der CDU, die die Sterbehilfe ablehnen, vergleicht Kramer mit radikalen Islamisten, die universelle Menschenrechte ablehnen. Ein Menschenrecht ist für Kramer auch das Recht, selbstbestimmt zu sterben. Darüber wird es in Deutschland in den kommenden Wochen noch viel Streit geben.

Hier die ersten Absätze des Briefes von Kramer im Original:

abschiedsbrief

Hintergrund: Das sind die vier Gesetzentwürfe, die derzeit vom Bundestag debattiert werden

  1. AKTIVE STERBEHILFE: Sie ist in Deutschland strafbar. Wer jemanden auf dessen Wunsch tötet, wird wegen Tötung auf Verlangen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft.
  2. PASSIVE STERBEHILFE: Gemeint ist der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen. Laut Bundesgerichtshof dürfen Ärzte die Maßnahmen auch dann abbrechen, wenn der Patient noch nicht kurz vor dem Tod steht. Sie müssen sie abbrechen, wenn der Patient das will.
  3. INDIREKTE STERBEHILFE: Die Verabreichung starker Schmerzmittel, die durch ihre Wirkung auf geschwächte Organe das Leben verkürzen können, ist nicht strafbar - wenn dies dem Willen eines extrem leidenden, sterbenden Menschen entspricht.
  4. BEIHILFE ZUM SUIZID: Suizid und Beihilfe zum Suizid sind nicht strafbar. Das heißt, ein Mittel zur Selbsttötung bereitzustellen, das der Betroffene selbst einnimmt, ist erlaubt.

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