POLITIK
29/10/2015 11:31 CET | Aktualisiert 29/10/2015 11:54 CET

Europa-Experte Verheugen: "Nicht unmöglich, dass sich die EU auflöst"

Anne Will

Europas Zusammenhalt ist in Gefahr - zumindest, wenn man den Worten des ehemaligen EU-Kommissars Günter Verheugen glaubt. Im "Tagesschau"-Interview beklagte er am Donnerstag, dass das Friedensbewusstsein in Europa zuletzt "eindeutig schwächer" geworden sei.

"Das ist der Grund dafür, warum wir uns so schwer tun mit all den Krisenerscheinungen, die wir zurzeit haben, fertig zu werden. Diese können wir nur gemeinsam lösen. Es ist immer wieder der gleiche Punkt: Das Bewusstsein dafür, dass wir gemeinsam füreinander einstehen müssen, dieses Bewusstsein ist zu schwach", sagte der SPD-Politiker.

Und der Europaexperte wurde noch deutlicher: Bis vor kurzem hätte er an die Möglichkeit eines Scheitern der europäischen Integration nicht geglaubt, sagte er ARD. Doch mittlerweile scheint Verheugen an dem Projekt Europa zu zweifeln.

"Ich halte es heute nicht mehr für unmöglich, dass sich die EU tatsächlich auflöst. Ich habe seit der Schuldenkrise, genauer gesagt wegen unseres Umgangs mit ihr, das Gefühl, dass ein Verfall begonnen hat", sagte er mit Blick auf die Uneinigkeit der EU-Staaten in Sachen Finanzkrise.

Auch das Verhalten einiger Staaten in der Flüchtlingskrise sieht Verheugen kritisch. "Wir können keine Politik betreiben, die sagt, wir ziehen eine Grenze durch den europäischen Kontinent", sagte Verheugen.

Verheugen erinnerte zudem an den politischen Auftrag der Union. Die EU habe 2012 den Friedensnobelpreis dafür bekommen, dass sie sich der gesamteuropäischen Einigung verpflichtet habe. "Im Augenblick sieht es aber so aus, als ob wir diesen Auftrag, der noch nicht erfüllt ist, vergessen hätten. Grenzen, egal wo in Europa, sind keine Lösung für das 21. Jahrhundert."

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