POLITIK
29/10/2015 13:01 CET | Aktualisiert 29/10/2015 15:04 CET

Britischer Geheimdienst-Chef schlägt Alarm: IS-Terroristen planen Anschlagswelle in Europa

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Der britische Geheimdienst-Chef warnt vor Großangriffen von IS-Terroristen in Großbritannien

In Europa wächst die Angst vor der Gewalt des Islamischen Staats (IS). Behörden warnen schon seit längerem davor, IS-Heimkehrer aus Syrien könnten jederzeit Anschläge auf europäischem Boden begehen. In der türkischen Hauptstadt Ankara ist es vor einigen Wochen bereits zu einem Attentat mit zahlreichen Toten gekommen.

Alle EU-Länder sind bedroht, warnen Terrorexperten. So konkret wie der Chef des britischen Geheimdienstes MI5, Andrew Parker, aber hat bisher noch keiner über das tatsächliche Ausmaß der Gefahr gesprochen. Parker sagte dem “Telegraph”, in den 32 Jahren seiner bisherigen Berufslaufbahn habe es noch nie eine derartige Bedrohung für Großbritannien gegeben wie jetzt.

Ganz konkret heißt das: Der Geheimdienst-Chef rechnet nach eigenen Worten damit, dass IS-Terroristen in seinem Land groß angelegte Anschläge mit vielen Toten planen. Die Gefahr, die von britischen Dschihadisten ausgehe, die vom IS aus Syrien und dem Irak zurückkehren, sei nicht zurückgegangen, sagte Parker dem “Telegraph”. Im Gegenteil.

Der Geheimdienst-Chef spricht offen über die Gefahr. Allein in den letzten zwölf Monaten habe seine Behörde sechs geplante Terroranschläge in Großbritannien und sieben weitere im Ausland vereitelt, sagte Parker. Ein Großteil der 4000 Agenten des MI5 sei nur damit beschäftigt, Attacken mit terroristischem Hintergrund aufzudecken und zu verhindern.

Der IS baut ein weltweites Netz an Kontakten auf, warnt Parker. “Mehr als 750 Extremisten sind von Großbritannien bereits nach Syrien gereist”, sagte der MI5-Chef der Zeitung. “Wir bekommen mit, wie von Syrien aus Anschläge in Großbritannien geplant werden.” Immer mehr junge Briten würde über das Internet in sozialen Netzen radikalisiert und dazu angestiftet, Attentate in ihrem eigenen Land durchzuführen.

Laut dem Geheimdienst-Chef besteht Gefahr von mehreren Seiten. Auf der einen Seite spricht Parker von Anschlägen, verübt von kleinen Gruppen britischer Dschihadisten oder Einzeltätern. Hier geht die Gefahr seiner Einschätzung nach sowohl von IS-Heimkehrern aus als auch von Anhängern der Terrorgruppe, die nie in Syrien gekämpft haben. Auf der anderen Seite warnt er vor den erwähnten Großangriffen. “Nach unserer Kenntnis wurden noch nie so viele Massenanschläge geplant wie in diesem Jahr”, sagt er.

Und die IS-Terroristen sind nicht die einzige Bedrohung. Der Fokus der Terrorbekämpfung liege zwar derzeit auf den Dschihadisten des IS. Gleichzeitig sei die Bedrohung durch al-Qaida-Terroristen aber auch nicht kleiner geworden, warnt Parker. Auch von dieser Seite sei mit Großanschlägen in Großbritannien zu rechnen.

Parker rechnet damit, dass das Schlimmste Europa noch bevorsteht. Das Tempo und das Ausmaß, mit dem die Bedrohung derzeit zunehme, sei nicht zu vergleichen mit allem, was in den letzten Jahrzehnten geschehen sei, sagt der Geheimdienst-Chef. Glaubt man seinen Worten, kommt in den nächsten Monaten noch Schlimmes auf Großbritannien und andere Länder in Europa zu.

Der Geheimdienst sei gegen die Gefahr zum Teil machtlos, muss Parker eingestehen. “Obwohl wir viele Anschläge erfolgreich verhindert haben, können wir nie davon ausgehen, dass wir in der Lage sind, alle terroristischen Taten rechtzeitig zu erkennen und zu stoppen”, sagte Parker dem “Telegraph”. Der Tod von 31 britischen Staatsbürgern vergangenen Juni in Tunesien sei der schreckliche Beweis dafür.

Auch die deutschen Behörden warnen vor Anschlägen. Schon vor Monaten schlug der Verfassungsschutz Alarm, der IS habe sich nun auch auf Deutschland eingeschossen. In einem im August veröffentlichten Video drohen deutsche IS-Anhänger Bundeskanzlerin Merkel, sich an ihr rächen zu wollen. Auch produziert der IS nun Propaganda-Videos, die ausschließlich in deutscher Sprache gedreht sind, in denen die Terrorgruppe deutsche Bürger gezielt dazu aufruft, in ihrem Land Anschläge zu verüben.

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