POLITIK
29/10/2015 14:01 CET | Aktualisiert 31/05/2017 08:02 CEST

Hier zeigt AfD-Politiker Höcke, wie radikal er wirklich ist

Glatt rasiert, helle, stechende Augen, sorgfältig frisiert: Das Gesicht von Björn Höcke ist derzeit das Gesicht der politischen Rechten.

Seit er in der Talkshow „Günther Jauch“ eine Deutschland-Fahne über seinem Stuhl drapierte, kennt fast jeder den AfD-Fraktionschef aus Thüringen. Den Mann, der Parteichefin Frauke Petry mit seiner sogar für die AfD rechten Position herausgefordert und sich durchgesetzt hat. Den Mann, der Sätze brüllt wie „Thüringer! Deutsche! 3000 Jahre Europa. 1000 Jahre Deutschland."

Schon die Frage passt Höcke nicht

Das ZDF-„Morgenmagazin“ fragte Höcke am Montagabend in Erfurt auf einer AfD-Demonstration, ob er sich solcher Rhetorik nicht schäme. Schließlich erinnert sie schwer an die Parolen der Nazis vom tausendjährigen Reich. Höcke wiegelt ab. So eine Frage sei stigmatisierend.

Später sagt er dann doch noch was zum Thema. Ob er mit solcher Rhetorik nicht zündele? "Nein. Jeder, der ein historisches Faktenwissen hat, kann das einordnen. Und um diese Menschen geht es mir.“

Entlarvt

Mit diesem Satz hat sich Höcke entlarvt. Wer rudimentäres Faktenwissen hat, weiß, dass die Nazis mit dieser Parole ihren ewigen Herrschaftsanspruch demonstrierten.

Wer detailliertes Faktenwissen hat, weiß, dass die NSDAP die Wendung von früheren Nationalisten übernommen hat. Experte Toralf Staud analysierte in der „Zeit“, dass Höcke sich - übrigens wie andere führende Köpfe der AfD und der Pegida - nicht in erster Linie auf die Nazis, sondern auf deren Vorläufer, die Jungkonservativen, bezieht. „Für sie war das Volk ein Organismus, an dem jede und jeder seinen biologisch vorbestimmten Platz hat (die Frau jenen der Kinderaufzucht)“, schreibt Staud. Diese Jungkonservativen hätten fremde Kulturen, freie Wahlen und individuelle Freiheit verachtet.

Höcke spricht mit seiner Rhetorik bewusst sowohl Menschen mit rudimentärem als auch detailliertem Faktenwissen an. Diese Menschen verstehen, alle auf ihre Weise, wofür Höcke steht. Er mag kein Neonazi sein. Aber er ist ein Rechter, der versucht, seine Gesinnung hinter Wortklauberei zu verbergen.

"Wenn wir kommen, dann wird ausgemistet"

Die "Thüringer Allgemeine" berichtet über einen AfD-Mann aus Baden-Württemberg, der nach Erfurt gereist war. Er nannte den Kurs Kanzlerin Angela Merkels in der Flüchtlingspolitik "überzogenen Humanismus". Und drohte: „Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet."

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