LIFE
28/10/2015 11:10 CET | Aktualisiert 06/11/2015 07:05 CET

Der wissenschaftliche Beweis, dass Glück etwas ist, für das ihr euch aktiv entscheiden könnt

Der wissenschaftlichen Beweis, das Glück etwas ist, für das ihr euch aktiv entscheiden könnt.
Pete Mcbride via Getty Images
Der wissenschaftlichen Beweis, das Glück etwas ist, für das ihr euch aktiv entscheiden könnt.

Eine Theorie in der Psychologie legt nahe, dass wir alle eine Art ”Glücks-Sollwert” haben, der unser gesamtes Wohlbefinden bestimmt. Wir pendeln um diesen Sollwert herum, werden glücklicher, wenn etwas Gutes passiert und weniger glücklich, wenn etwas Schlechtes passiert. Und jedes Mal finden wir danach wieder zu unserem Glücks-Gleichgewicht zurück.

Aber dieser Sollwert kann (bis zu einem gewissen Grad) neu bestimmt werden. Obwohl unsere generelle Stimmung und unser Wohlbefinden teilweise durch unsere Gene und unsere Erziehung bestimmt sind, liegen laut einiger Experten etwa 40 Prozent unseres Glücks in unseren Händen. Diverse Forschungen auf dem Gebiet der positiven Psychologie zeigen, das Glück eine Entscheidung ist, die jeder treffen kann. Mit den Worten des Psychologen William James: “Die größte Erkenntnis aller Generationen ist, dass der Mensch sein Leben verändern kann, indem er seine Einstellung ändert.”

Hier sind acht Wege, wie ihr euer Glück selbst in die Hand nehmen könnt.

Versucht es einfach.

happiness

Ein bisschen Mühe kann es auf dem Weg zum Glück weit schaffen. Zwei kleine, experimentelle Studien, die dieses Jahr im “Journal of Positive Psychology” veröffentlicht wurden, haben gezeigt, dass der schlichte Versuch, glücklicher zu sein, tatsächlich die Stimmung und Wohlbefinden verbessern kann. In einer Studie hörten zwei Gruppen von Probanden ”glückliche” Musik -- eine Gruppe sollte sich Mühe geben, glücklicher zu sein, während die andere Gruppe nicht aktiv versuchen sollte, glücklicher zu sein. Die Probanden, die sich Mühe gaben, glücklicher zu sein, waren anschließend tatsächlich völlig euphorisch.

Macht Glück zu eurem obersten Ziel.

Menschen, die glücklich sind, machen Glück zu einem ihrer obersten Ziele im Leben. Das sagt der Psychologe Tom G. Stevens, Autor von “You Can Choose to Be Happy”.

"Entscheidet euch, Gelegenheiten, um glücklicher zu werden, zu nutzen,” erklärte Stevens WebMD. "Programmiert beispielsweise eure Überzeugungen und Werte neu. Lernt Selbst-Management, zwischenmenschliche Kompetenzen und gute Karriere-bezogene Kompetenzen. Wählt Umgebungen und Menschen, die euer Glück wahrscheinlich steigern. Die Menschen, die am glücklichsten werden und die am meisten wachsen, sind jene, die Wahrheit und ihre eigene Weiterentwicklung zu ihren wichtigsten Werten machen.”

Haltet an diesen kleinen, positiven Momenten fest.

coffee

Laut Rick Hanson, Neuropsychologe und Autor von “Hardwiring Happiness”, ist unser Gehirn darauf programmiert, nach allem Schlechten zu suchen. Er sagt, unser Gehirn ist wie ein Klett für negative Erfahrungen und wie Teflon für positive. Diese “Negativ-Schieflage” bringt unser Gehirn dazu, intensiver auf negative Nachrichten als auf positive zu reagieren. Aber wir können diesem Ungleichgewicht im Gehirn kontern, das dafür sorgt, dass wir stärkere negative als positive Erinnerungen formen. Und zwar indem wir Gutes zu schätzen wissen und an den kleinen, positiven Momenten festhalten.

"Menschen erkennen nicht die versteckte Kraft alltäglicher Erlebnisse,” sagte Hanson der Huffington Post. "Wir sind umgeben von Möglichkeiten -- 10 Sekunden hier oder 20 Sekunden dort -- um gute Ereignisse zu registrieren und von ihnen zu lernen. Menschen machen das nicht, obwohl sie es könnten.”

Entscheidet euch für Achtsamkeit.

meditation

Das Geheimnis des Glücks könnte in etwas so simplem (und gleichzeitig so schwierigem) sein, wie achtsamer zu werden. Meditation -- etwas, das jeder tun kann, überall, so lange man dasitzen und versuchen will, seinen Geist zur Ruhe kommen zu lassen -- soll ein wahrer Glückskatalysator sein.

Richard Davidson, Psychologieprofessor an der University of Wisconsin hat in seiner Forschungsarbeit herausgefunden, dass regelmäßige Meditation etwas Erstaunliches im Gehirn auslösen könnte. Möglicherweise sorgt Meditieren dafür, Gehirnaktivität von der rechten Stirngegend (mit der Depression, Angst und Sorge assoziiert werden), in die linke zu verlagern, die mit Glück, Freude, Euphorie und Wachsamkeit in Verbindung gebracht wird.

Lächelt euch euren Weg zum Glück.

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Das Geheimnis, um die Stimmung zu verbessern, könnte in einem Lächeln stecken. Eine Studie der Michigan State University von 2011 hat ergeben, dass Angestellte, die durch positive Gedanken zum Lächeln gebracht wurden, besser gestimmt und weniger erschöpft waren. Falsches Lachen hingegen, führte zum Gegenteil und verschlechterte die Stimmung und machte die Angestellten erschöpfter.

Übt Dankbarkeit.

gratitude

Dankbarkeit zu kultivieren ist ein wissenschaftlich belegter Weg, um glücklicher zu werden. Und dankbarer zu sein, liegt voll und ganz in eurer Hand.

Dankbare Menschen neigen dazu, die einfachen Dinge zu genießen, die auch als “das, was den meisten Menschen auf der Welt zugänglich ist” bezeichnet werden. Das geht aus einem Bericht im “Journal of Social Behavior and Personality” hervor.

Sucht Glück, findet Glück -- habt Erfolg.

success

Im konventionelles Denken wird davon ausgegangen, dass das Streben nach Erfolg zum Glück führt. Allerdings hat die Forschung ergeben, dass vielleicht genau das Gegenteil der Fall ist. Das Streben nach Glück führt nicht nur zu Glück an sich, sondern auch zu Erfolg, laut Shawn Achor, Autor von “The Happiness Advantage”.

In den zwölf Jahren, in denen er Glücksforschung in Harvard betrieben hat, fand Achor Folgendes heraus. Sich eine positive Einstellung anzueignen, kann das Wohlbefinden einer Person ankurbeln und die Leistung eines Angestellten auf verschiedenen Levels verbessern - von seiner Produktivität bis zu Kreativität und Engagement.

"Menschen, die sich eine positive Einstellung aneignen, kommen besser mit Herausforderungen zurecht,” schrieb Achor 2012 in der “Harvard Business Review”. "Ich nenne das den ‘Glücksvortei’ (‘Happiness Advantage’). Alles Geschäftliche läuft besser, wenn das Gehirn positiv eingestellt ist.”

Lasst euch selbst glücklich sein.

happiness and dancing

Bronnie Ware, Schwester auf einer Palliativstation, hat jahrelang alte Menschen bis an ihr Sterbebett begleitet. Dabei fiel ihr auf, dass es ein immer wiederkehrendes Thema bei den Patienten gab, die bald sterben würden: Sie bereuten, dass sie sich selbst nicht “erlaubt” hatten glücklich zu sein.

Ware, die Autorin von “The Top Five Regrets Of The Dying”, schrieb in einem Blogbeitrag für die Huffington Post:

Viele merkten bis zum Schluss nicht, dass Glück etwas ist, für das man sich entscheidet. Sie waren in alten Mustern und Gewohnheiten gefangen. Die so genannte ‘Sicherheit’ des Bekannten hatte ihre Emotionen und ihr Leben eingenommen. Die Angst vor Veränderung ließ sie (anderen und sich selbst gegenüber) so tun, als seien sie zufrieden. Als sie dann am Ende angekommen waren, wünschten sie sich, richtig zu lachen und wieder albern sein zu können … Das Leben ist eine Entscheidung. Es ist eure Entscheidung. Entscheidet bewusst, entscheidet bedacht, entscheidet ehrlich. Entscheidet euch für das Glück.

Übt euch in Mitgefühl.

restoring balance

Wollt ihr die Glücksfähigkeit eures Gehirns steigern? Versucht, über Mitgefühl zu meditieren. Gehirn-Scans des französischen Mönchs Matthieu Ricard haben gezeigt, dass sein Gehirn “noch nie zuvor in der Neurowissenschaft aufgezeichnete” Gamma-Wellen produzierte, wenn er Meta-Meditation praktizierte. Ricard hat dank neuronaler Plastizität, die größte je gemessene Fähigkeit zum Glück.

“Meditation bedeutet nicht nur, unter einem Mangobaum zu entspannen. Meditation kann dein Gehirn, und damit das, was du bist, verändern” sagte Ricard der New York Daily News.

Dieser Text erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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Mehr Dinge, die glücklich machen, gibt es hier.

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