POLITIK
28/10/2015 12:37 CET | Aktualisiert 28/10/2015 14:08 CET

"Deutschland auf dem selben Weg wie die DDR": So rechnet die "Welt" mit der Kanzlerin ab

Harte Worte gegen die Kanzlerin
getty
Harte Worte gegen die Kanzlerin

"Welt"-Autor Henryk M. Broder ist bekannt für klare Kante: Ob er nun vor einer angeblichen Islamisierung warnt oder auf dem Blog "Die Achse des Guten" gegen Angela Merkel und ihre Flüchtlingspolitik argumentiert: Broder eckt an und sorgt für Zündstoff.

Nun hat der streitbare Journalist gegen die Bundeskanzlerin nachgelegt: In einem Kommentar für die Tageszeitung "Die Welt" schlägt Broder eine Brücke zwischen Merkels aktuellem Kurs in der Flüchtlingskrise und ihrer Herkunft aus der DDR.

Merkel, so Broder, regiere im Stil einer Feudalherrin. Ihre Politik sei die späte Rache der DDR an der BRD.

Unter der Überschrift "Die späte Rache der DDR" holte er zum ultimativen Rundumschlag aus: Merkels jetzt schon quasi unsterblicher Satz "Wir schaffen das" erinnere ihn stark an die Leitsprüche der DDR-Obrigkeit, mit denen der staatliche verordnete Sozialismus gewürdigt wurde.

Auch in der DDR lief ja bekanntlich alles wie am Schnürchen - zumindest auf dem Papier, ätzt er. Arbeitslosigkeit, Fremdenhass und Kriminalität? Existierten nicht. Alle Menschen waren glücklich. Alles passierte stets zum Wohle des Volkes. Denn: "Wir packen das."

Ganz Deutschland frage sich laut Broder, wie Merkel ihre Pläne, die sie in der Talk-Show von Anne Will verkündet hatte, umsetzen möchte. Das Land warte auf ein Zeichen der Kanzlerin.

Zitat Broder:

"Angela Merkel regiert im Stile eines Feudalfürsten, wozu auch die Drohung gehört, sie werde dem Land, dem sie dienen wollte, adieu sagen, falls das Volk ihr die Gefolgschaft verweigert. Dermaßen ausfällig zu werden, das hat sich noch kein Kanzler der Bundesrepublik gewagt."

Die DDR, schreibt er weiter, hätte stets ein gestörtes Verhältnis zur Wirklichkeit gehabt. Angela Merkel wurde im selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaat sozialisiert. Die Bundesrepublik sei unter ihrer Kanzlerschaft auf dem gleichen Weg wie die DDR:

"Es sieht danach aus, als wäre die Bundesrepublik nun auf dem gleichen Weg, auf dem die DDR in den Abgrund der Geschichte geschliddert ist. Die Politik der Kanzlerin ist die späte Rache der DDR an der BRD. Das mag ihr nicht bewusst sein, aber gerade das Unbewusste zeichnet sich durch besondere Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit aus."

Die DDR sei in Folge der massenhaften Auswanderung zusammengebrochen. Deutschland drohe nun unter der Last der ungebremsten Einwanderung zu zerbrechen.

Kritik an Broders Rundumschlag ließ nicht lange auf sich warten. Harsche Worte kamen von Spiegel-Journalist Cordt Schnibben: Auf seiner Facebook-Seite schrieb er:

"Vollkommen irre geworden, diese "Welt", da die "Bild" erfreuerlicherweise ausfällt als Pegida-Blatt, entwickelt sich die "Welt" zum Zentralorgan jener besorgten Bürger, die sie täglich mit Zukunftsangst und Hetzstoff herbei schreiben. Lieber Ulf Poschardt, ist das eine neue Form von Liberalismus, die ihr da auslebt, oder bin ich einfach zu blöd, um zu begreifen, was ihr da treibt?"

Bürgerdialog in Nürnberg: Hier wird Angela Merkel live im TV zurechtgewiesen

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite