POLITIK
28/10/2015 13:46 CET | Aktualisiert 28/10/2015 14:26 CET

"Frei erfunden": Der unfassbare Hetz-Kommentar in der österreichischen "Kronen-Zeitung"

dpa

Österreich ist im Ausnahmezustand. Das Land schickt tausende Flüchtlinge jeden Tag an die deutsche Grenze, will sogar Zäune bauen, um Flüchtlinge aufzuhalten. Nicht nur in der Politik, sondern auch in den Medien gerät die Lage außer Kontrolle.

Ganz vorne mit dabei ist die österreichische “Krone”-Zeitung. Erst vergangene Woche warf der Presserat Österreichs größtem Boulevardblatt vor, Berichte über Flüchtlinge zu verkürzen und zu übertreiben, um bewusst Stimmung zu machen.

Was sich dann aber der Chef der Lokalausgabe Steiermark, Christoph Biro, am Sonntag leistete, war noch eine große Stufe krasser.

So krass, dass ein riesiger Shitstorm über das Blatt losbrach, Biro mittlerweile seinen Job los ist und die Staatsanwaltschaft ermittelt.

In einem knappen Kommentar schrieb er:

“Wir erfahren von jungen, testosteron-gesteuerten Syrern, die sich äußerst aggressive sexuelle Übergriffe leisten, um es harmlos auszudrücken. Da schlitzen Afghanen in den ÖBB-Waggons die Sitze auf und verrichten nur ihre Notdurft. “Da sitzen wir nicht!”, sagen sie, “da sind ja Christen draufgesessen!”

Weiter schreibt Biro:

“In den Notquartieren verwenden sie die sanitären Einrichtungen nicht, sondern erledigen ihre Geschäfte just daneben und fordern weibliche Hilfskräfte dann auf: Mach’s weg, dazu bist du ja da… Horden stürmen die Supermärkte, reißen Packungen auf, nehmen sich, was sie wollen, und verschwinden wieder.”

Das Problem dabei:Die geschilderten Vorfälle sind allesamt nicht echt, sondern wirre Geschichten, die über soziale Netzwerke wie Facebook vor allem in rechten Gruppen weiterverbreitet und diskutiert werden. Die Polizei Steiermark bezeichnete sie als “frei erfunden” und “absoluten Blödsinn”.

Warum sie trotzdem den Weg in die “Kronen”-Zeitung fanden? Kaum brach der Shitstorm los, meldete sich Biro noch einmal zu Wort - und versuchte sich in einem Artikel zu erklären, in dem er auch seinen Rücktritt bekannt gab.

Dort schreibt er:

"Ich bin seit 39 Jahren Journalist. Ich habe gelernt, Fakten von Indizien zu unterscheiden und Beweise zu würdigen. Hintergrundinformationen zu bekommen zählt zum Handwerk. In meiner Kolumne vom Sonntag habe ich aber das Augenmaß verloren. Natürlich gibt es auch unter den Flüchtlingen schwarze Schafe und böse Vorfälle. Auch ich persönlich habe diesbezüglich eine Enttäuschung erlebt, nachdem meine Frau und ich in unserem Urlaub Syrern Deutschunterricht gegeben haben. Diese Enttäuschung hat wohl mitgespielt, dass ich die Zustände so überzeichnet habe. Das war ein Fehler, wie er mir in 39 Jahren noch nicht passiert ist. Fehler passieren? Ja, aber dieser ist besonders bedauerlich. Man muss bei diesem Thema ein ganz besonderes Fingerspitzengefühl haben. Und das habe ich vermissen lassen."

Aha.

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