POLITIK
28/10/2015 09:29 CET

Eklat in Istanbul: Türkische Polizei stürmt regierungskritischen TV-Sender

dpa

Dieser Vorfall dürfte Erdogan in akute Erklärungsnot bringen: Vier Tage vor der Neuwahl in der Türkei hat die Polizei das Gebäude der regierungskritischen Koza Ipek Mediengruppe in Istanbul gestürmt. Am Mittwochmorgen verschaffte die Feuerwehr den Sicherheitskräften mit einem Metallschneider Zugang zum Gelände, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.

Angestellte versuchten die Polizei mit Regenschirmen zurückzudrängen. Die Beamten setzten Tränengas ein. In dem Gebäude im Bezirk Sisli sind unter anderem die Sender Kanaltürk und Bugün TV untergebracht. Obwohl sich die Polizisten nach Angaben des Senders Zugang zum Gebäude verschafften, setzte Bugün TV die Live-Übertragung zunächst fort.

Die Kopak Ipek Holding, zu dem die Sender gehören, steht der Bewegung um Prediger Fethullah Gülen nahe. Ein Gericht hatte den Konzern am Montag unter staatliche Aufsicht gestellt und Treuhänder eingesetzt.

Die Affäre könnte sich noch weiter zuspitzen: Dem Konzern wird nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu vorgeworfen, die "Terrororganisation" der Gülen-Anhänger finanziert und unterstützt zu haben. Schon Anfang September waren mehrere Firmen des Konzerns durchsucht worden, darunter Redaktionsgebäude in der Hauptstadt Ankara.

Gülen war einst ein enger Verbündeter des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, inzwischen sind die beiden verfeindet.

Lesenswert:

Gespräche mit der Türkei: EU-Kommission hält kritischen Bericht in Flüchtlingskrise bewusst zurück

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite