POLITIK
28/10/2015 18:39 CET | Aktualisiert 29/10/2015 12:54 CET

"Merkel hat Applaus verdient": Campino lobt Flüchtlingspolitik der Kanzlerin

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Campino und Angela Merkel kennen sich schon lange. Als politischer Mensch, eher links der Mitte verortet, beobachtete der Sänger der Toten Hosen die Bundeskanzlerin eher kritisch. Was Campino nun im Interview mit „Cicero“ sagt, überrascht deswegen. „Ich könnte sie fast umarmen“, zitiert ihn des Magazin.

Dass Angela Merkel die Grenzen für Flüchtlinge geöffnet hat, findet Campino toll. „Sie hat, wenn auch spät, richtig reagiert“, sagt er. Geradezu begeistert ist er von Angela Merkels Satz "Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land". Die Kanzlerin bezog sich dabei auf Menschen, die Flüchtlinge an deutschen Bahnhöfen empfangen hatten.

Zum Zitat „dann ist das nicht mein Land“ sagt der Sänger der Toten Hosen:

„Der herausragende Satz. Dafür könnt ich sie fast umarmen. Man darf ihr das auch schon mal sagen, dass sie das großartig gemacht hat. Warum man es dann doch nicht tut? Ich weiß nicht. Es gibt noch viele andere Felder, wo zu lange gezögert wurde. Aber dieses Statement war gut. Es hat Applaus verdient. Punkt.“

Zudem lobte Campinos Merkels Europapolitik in der Flüchtlingsfrage. Angesprochen auf die Frage, ob man anderen EU-Ländern nicht mehr Zeit geben müsse, sich an den Status als Einwanderungsland gewöhnen zu können, sagte der Sänger:

"Auch da hat Merkel einen vernünftigen Beitrag geleistet. Sie hat die Gespräche so geführt, dass jeder sein Gesicht wahren konnte. Es geht jetzt hier nicht um eine Entweder-oder-Frage oder etwa darum, anderen in Europa eine Quote aufzudrücken. Wir werden diese Herausforderung bestimmt nicht schaffen, wenn nicht alle Länder sie zusammen und geschlossen angehen."

Campinos Beziehung zu Angela Merkel hat eine Geschichte. Der Sänger der Toten Hosen hatte ihr 1992 in einem Interview für den „Spiegel“ ein paar ungewöhnliche und ein paar pampige Fragen gestellt. Um die Antworten, die er bekam, haben ihn viele Journalisten später beneidet. Die damalige Jugendministerin erzählte ihm zum Beispiel von ihrem ersten Rausch mit Kirsch-Whiskey.

Die Toten Hosen hatten sich 2013 über die CDU empört. Auf der Siegesfeier nach der Bundestagswahl lief ihr Lied „Tagen wie diese“ vom Band. Angela Merkel sang den Text mit und klatschte im Takt. Dabei hatten die Toten Hosen die Verwendung für Wahlkampfveranstaltungen untersagt. Anschließend rief die Bundeskanzlerin bei Campino an und entschuldigte sich.