WIRTSCHAFT
27/10/2015 06:17 CET | Aktualisiert 27/10/2015 07:37 CET

Eine Studie zeigt, dass Europa auf eine Katastrophe zusteuert

Junge Leute bei einem Protest während der Schuldenkrise in Griechenland
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Junge Leute bei einem Protest während der Schuldenkrise in Griechenland

Die gute Nachricht ist: Europa ist dabei, sich wirtschaftlich wieder zu erholen. Die schlechte Nachricht ist: Der jungen Generation hilft das nicht. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung profitieren die jungen Leute in Europa nicht vom Wirtschaftsaufschwung.

Die Studie zur sozialen Gerechtigkeit (Social Justice Index) kommt im Gegenteil zu einem niederschmetternden Ergebnis: Die Kluft zwischen Alt und Jung wird immer größer - und das auch in Deutschland.

Die Studie beleuchtet zum zweiten Mal nach 2014 die Entwicklung in allen 28 EU-Staaten anhand von 35 Kriterien.

Hier sind die 10 wichtigsten Fragen und Antworten, die ihr über das Ergebnis wissen müsst, zu dem die Wissenschaftler kamen.

1. Was bedeutet diese Kluft für die junge Generation? Derzeit sind laut der Studie 26 Millionen Kinder und Jugendliche in der Europäischen Union von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Das bedeutet: Die jüngeren Europäer sind die großen Verliere der Schuldenkrise der vergangenen Jahre.

2. Wer ist genau betroffen? Fast 30 Prozent aller unter 18-Jährigen sind laut der Studie der Gefahr der Armut ausgesetzt. Weit über 5 Millionen der Jungen haben sogar nur geringe Zukunftsperspektiven, da sie weder Ausbildungsplatz noch Arbeit finden.

3. Wie schneidet Deutschland in der Studie ab? Deutschland belegt trotz großer volkswirtschaftlicher Kraft nur den siebten Platz. Seit 2014, als die Studie zum ersten mal durchgeführt wurde, konnte das Land seinen Index-Wert seit 2008 - damals war die Erhebung noch nicht so umfassend wie heute - aber von 6,16 auf 6,52 verbessern. Der EU-Schnitt liegt bei 5,63.

4. Welches Land ist der Gewinner der Studie? Spitzenreiter bleibt auch in diesem Jahr Schweden mit einem Index von 7,23. Hier sind die Jungen am wenigsten stark von Armut bedroht.

5. … und welches schneidet am schlechtesten ab? Den letzten Platz belegt auch 2015 Griechenland. Hier liegt der Index bei nur 3,61. Seit der Studie von 2014 ist das Land weiter zurückgefallen.

6. Welche Schlüsse lassen sich daraus für Europa ziehen? Die Studie offenbart nicht nur eine wachsende Kluft zwischen Alt und Jung. Sie zeigt auch sehr deutlich, dass sich das Gefälle zwischen Nord und Süd in der EU noch vergrößert.

7. Was lässt sich anhand der Studie über den deutschen Arbeitsmarkt sagen? Positiv bewerten die Forscher in Deutschland die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt mit der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit (7,7 Prozent) im EU-Vergleich und hinter Schweden der zweithöchsten Beschäftigungsquote von 73,8 Prozent. Sie bemängeln allerdings mit 40 Prozent einen zu großen Anteil von atypischen Beschäftigten in Deutschland. Diese Menschen sind trotz Vollzeitjob von Armut bedroht - wegen befristeten Verträgen und niedrigen Lohns.

8. … und was über das Verhältnis zwischen den Generationen? Bei der Generationengerechtigkeit hat sich die Bundesrepublik im Vergleich zu 2014 von Rang 10 auf 15 verschlechtert. So müssen bei den unter 18-Jährigen etwa fünf Prozent mit schweren materiellen Entbehrungen leben. Bei den über 65 Jahren alten Bundesbürgern sind es nur 3,2 Prozent. Auch beim Bildungszugang beklagt die Bertelsmann-Stiftung in Deutschland einen zu starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg.

9. In welchen Ländern sehen die Forscher den größten Handlungsbedarf? Bei den Staaten im Süden Europas mit hoher Jugendarbeitslosigkeit mahnt die Stiftung weiter Strukturreformen an. “Dort kommen viele hochqualifizierte nicht auf dem Arbeitsmarkt an. Der Übergang von der Bildung in den Job funktioniert nicht”, sagte Daniel Schraad-Tischer, Experte der Bertelsmann-Stiftung der Deutschen Presseagentur.

10. Das Fazit der Wissenschaftler lautet demnach: “Wir können uns eine verlorene Generation in Europa weder sozial noch ökonomisch leisten. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen besondere Anstrengungen unternehmen, um die Chancen junger Menschen nachhaltig zu verbessern”, sagte Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, zum Ergebnis der Studie.

Mit Material von dpa

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