WIRTSCHAFT
27/10/2015 08:25 CET | Aktualisiert 27/10/2015 13:20 CET

Gefährliches Glyphosat: Billigbrötchen sind noch giftiger als gedacht

dpa
Billigbrötchen

Glypho was? Glyphosat. Vielen sagt der Begriff rein gar nichts. Sollte er aber. Denn Glyphosat ist das meistverkaufte Pestizid. Und es steckt in Brötchen, Brot und vielen anderen Backwaren, die wir jeden Tag essen.

Das Problem daran: Lange war unklar, wie schädlich Glyphosat wirklich ist.

Die Experten der WDR-Sendung "Markt“ wollten herausfinden, wie viel des gefährlichen Pestizids in Brot wirklich nachweisbar ist - und ob sich die Anbieter an die gesetzlichen Höchstgrenzen halten.

Das Ergebnis: Glyphosat ist fast überall. Und das sollte uns Sorgen machen.

labor

In einem Lebensmittellabor prüften die Wissenschaftler 20 Mehrkornbrote und Mehrkornbrötchen. Die Stichproben kamen neben Supermärkten und Discountern auch aus Backshops und Bioläden.

Dreiviertel der Backwaren belastet

Die Ergebnisse sind bedenklich: In jedem dritten Nicht-Bio-Produkt fanden die Experten Glyphosat. Genauer: In elf der 16 konventionellen Backwaren gab es Rückstände. Nur die Bio-Produkte waren nicht durch das Pestizid belastet.

Die erlaubten Grenzen wurden nicht überschritten. Aber die Praxis hinter den gesetzlichen Regelungen ist problematisch: Denn Höchstmengen dürfen von Lebensmittelüberwachern jederzeit nach oben korrigiert werden, wenn die Produkte höhere Mengen an Glyphosat aufweisen. Dafür müssen die Behörden allerdings gleichzeitig die Verzehrempfehlungen herabsetzen.

Ein Beispiel: In den vergangenen Jahren setzten Linsen-Hersteller immer mehr Glyphosat ein - 2011 war der Wert auf einmal hundert Mal so hoch. Doch das sorgte nicht für Panik: Die Behörden korrigierten den Grenzwert schlichtweg nach oben und rieten Kunden, weniger Linsen zu essen.

ergebnis

Aber wie gefährlich ist Glyphosat für Menschen tatsächlich? Ist es schädlich oder sogar krebserregend?

Die Wissenschaftler sind sich bis heute nicht einig, welche Folgen der Wirkstoff auf den menschlichen Organismus hat.

Die renommierte internationale Krebsforschungsagentur (IARC) ist allerdings überzeugt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs beim Menschen. Deshalb stufte das Institut den Stoff nach Auswertung zahlreicher Studien als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Auf der anderen Seite stehen die Untersuchungsergebnisse des Bundesamts für Risikobewertung (BfR): Von Glyphosat gehe "kein krebserzeugendes Risiko" aus, sagen die Experten.

Entscheidung der EU im Jahr 2016

Kein Wunder, dass sich nun auch die Politik mit dem Thema befasst. Die EU prüft aktuell, ob der Einsatz von Glyphosat weiter eingeschränkt werden muss. Mitte 2016 werden die Bürokraten in Brüssel entscheiden, ob das Pflanzengift künftig weiterhin in EU-Ländern eingesetzt werden darf. Federführend bei diesem Entscheidungsprozess ist das deutsche BfR.

Hier setzen die Experten der WDR-Sendung „Markt“ mit ihrer Kritik an. Denn das BfR habe vor allem Studien der Industrie berücksichtigt und Einschätzungen von unabhängigen Experten vernachlässigt.

Und das ist nicht verwunderlich: Denn nur sechs Prozent der Industriestudien zeigen, dass Glyphosat Erbgutschäden hervorrufen kann. Zu ganz anderen Ergebnissen kommen unabhängige Gutachter: Von ihnen warnen rund 70 Prozent vor einer gefährlichen Veränderung des Erbguts durch Glyphosat.

Gesundheit der Verbraucher

Geht es dem BfR also um das Geschäft mit Lebensmitteln oder um die Gesundheit der Verbraucher? In einer aktuellen Mitteilung auf ihrer Homepage wehrt sich das Bundesamt gegen die Vorwürfe: „Nach gründlicher Prüfung bescheinigen die beteiligten Experten und Fachbehörden der EU-Mitgliedsstaaten der Bewertungsarbeit des BfR und den daraus gezogenen Schlussfolgerungen eine hohe wissenschaftliche Qualität.“

Hier steht Aussage gegen Aussage. Klar aber ist: Das Thema Billig-Brötchen wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen.

Denn ein Risiko für die Gesundheit von Verbrauchern ist wahrscheinlicher denn je.

Video: Discounter und Backshops: Das sollten Sie über Billig-Brot wissen

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