WIRTSCHAFT
27/10/2015 13:23 CET | Aktualisiert 26/01/2016 10:58 CET

So gut sind die Billigangebote von Lidl, Aldi und Norma wirklich

Einkauf beim Discounter
Getty
Einkauf beim Discounter

Ob ein Pfannenset, Bettwäsche oder ein Smartphone - die Wühltische bei den Discountern verleiten dazu, schnell mal mehr zu mit nach Hause zu nehmen, als eigentlich geplant war. Denn meistens bieten die Supermärkte Angebote mit scheinbar unschlagbaren Preisen.

Aber woher kommt die Aktionsware überhaupt? Mit welchen Verkaufsstrategien arbeiten die Discounter? Und wie ist es um die Qualität der Schnäppchen bestellt? Diese Fragen hat die ARD in ihrer Sendung "Haushaltscheck“ beantwortet.

Das sind die wichtigen Ergebnisse der ARD-Experten:

1. Der Trick mit den Prospekten

Immer montags liegen die Prospekte der Discounter in unseren Briefkästen. Darauf zu sehen: Signalwörter wie "Aktion“ und "Angebot“. Damit wollen die Anbieter besondere Schnäppchen für die Verbraucher suggerieren.

Von den Prospekten strahlen oft glückliche Frauen, Männer und Kinder entgegen. Diese Bilder sollen idealerweise Glücksgefühle beim Konsumenten auslösen, sagt Psychologe Arnd Florack in der ARD-Doku.

Da die Verkäuferschichten unterschiedlich sind, arbeiten die Discounter auch mit verschiedenen Prospektarten, um eine möglichst große Zielgruppe anzusprechen.

2. Der Trick mit den Wühlkörben

Die Schnäppchenware des Discounters liegt nicht auf Regalen, sondern in Wühlkörben. Dahinter steckt ein System: Die Discounter bauen die Körbe in der gleichen Reihenfolge auf, wie die Produkte im Prospekt angeordnet sind.

So sollen die Kunden gezielt durch das Schnäppchen-Sortiment gelotst werden. "Der Wühlkorb signalisiert den günstigen Preis. Und sobald er leer ist: dass andere Kunden das Produkt gekauft haben“, erklärte Psychologe Florack gegenüber "Focus Online".

3. Die meisten Artikel stammen aus China

Bei den Recherchen des ARD-Teams wird schnell klar: Hinter den verschiedenen Eigenmarken der Discounter kann derselbe Hersteller stecken. Über 80 Prozent der Artikel stammen aus China, sagt ein Verkäufer der Moderatorin Yvonne Willicks auf der Internationalen Aktionswarenmesse. Der Käufer erwarte günstige Preise, weswegen die Produktion in Deutschland undenkbar wäre.

4. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei bestimmter Aktionsware

Und wie ist die Qualität der Billigware? Der TÜV-Rheinland testete für das ARD-Team Pfannen von Penny, Aldi, Norma Netto, Lidl und Tchibo. Der Preisspanne reichte von 13 bis 25 Euro. Mit einem Abriebtest simulierten die Experten den täglichen Gebrauch über mehrere Jahre.

Das Ergebnis: Aldi, Penny und Netto schnitten am besten ab – sie erhielten die Schulnote 1,8. Es folgten die Pfannen von Lidl und Tchibo mit der Note 1,9 und Norma mit 2,0.

Die Discounter konnten also nicht nur mit verlockenden Preisen punkten. Auch die Qualität der Ware konnte überzeugen.

5. Einige Geräte fielen klar durch

Als nächstes nahm das Team eine Küchenmaschine von Norma auf den Prüfstand. Der Testingenieur Holger Krumme untersuchte die Qualität und Langlebigkeit des Produkts. Im Praxistest ließ Krumme einen Hefeteig kneten.

Hier fiel das Ergebnis enttäuschend aus: Bei dem Text löste sich ein Haken der Maschine. "Das Gerät ist einfach und billig gemacht“, sagte der Experte. Weil der Haken nicht einrasten könne, löse er sich vom Gerät.

Norma sagte der ARD auf Anfrage dazu, das Gerät sei von der SLG Prüf- und Zertifizierungs GmbH auf Funktionalität, Dauerhaftigkeit und Handhabung geprüft worden.

6. Daran erkennt der Kunde gute Qualität

Die Testergebnisse sind also nicht eindeutig. Wie lässt sich bei Aktionsangeboten gute Qualität von Billigware unterscheiden?

Rainer Weiskirchen vom TÜV Rheinland gab in der ARD-Sendung folgende Tipps:

Bei Textilien: Immer nach Prüfzeichen Ausschau halten. Zusätzlich sollte man immer an dem Artikel schnuppern. Riecht ein Kleidungsstück unangenehm, sollte man die Finger davon lassen. "Das könnte ein Zeichen sein für Schadstoffe, die für meine Haut und meine Gesundheit wirklich schädlich sein können.“

Bei Elektronik: Auch hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Verpackung. Ist hier ein GS-Prüfsiegel vorhanden, dann haben Tester nicht nur das Gerät, sondern auch die Fabrik des Herstellers untersucht.

Und zuletzt gilt wie bei jedem Einkauf: Vielleicht noch einmal eine Runde drehen und dabei genau überlegen, ob man den Artikel auch wirklich braucht.

Notebook und Smartphone: Großer Technik-Alarm: Deshalb lohnen sich die neuesten Aldi-Schnäppchen

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite