POLITIK
27/10/2015 23:19 CET | Aktualisiert 28/10/2015 11:14 CET

"Soldaten werden sich in Gefahr begeben": 5 Fakten über die neue US-Strategie gegen den IS

US-Verteidigungsminister Asthon Carter
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US-Verteidigungsminister Asthon Carter

Die USA schlagen in ihrer Syrien-Strategie überraschend einen neuen Weg ein. Nach Angaben des US-Verteidigungsministers Ashton Carter sollen Truppen nicht nur Verbündete in der Region ausbilden, sondern direkt in Kämpfe gegen den Islamischen Staat eingreifen.

Beachtlich ist, dass Carter hier zwei Worte in den Mund nahm: "Kampf" und "Boden". Die galten in der US-Politik bisher in Bezug auf Syrien als unaussprechbar. Das Entsenden von Bodentruppen in den Krieg gegen den IS galt bisher als rote Linie, die Barack Obama nicht bereit war, zu überschreiten.

Jetzt also doch. Die neue Strategie fasste Carter gestern als die "die drei Rs" zusammen: "Rakka, Ramadi, Razzien."

1. Rakka soll lahmgelegt werden

Die Stadt in Syrien ist nicht nur die inoffizielle Hauptstadt des IS, sondern auch ein wichtiger Knotenpunkt für Truppentransporte und Waffenlieferungen der Islamisten. Von den USA trainierte und unterstützte syrische Kurden und Truppen der syrischen Rebellen sollen die Stadt angreifen und umschließen. Anstatt sie in verlustreichen Kämpfen einzunehmen, sollen sie Rakka lediglich lahmlegen.

2. Ramadi soll zurückerobert werden

Die Stadt 110 Kilometer westlich von Bagdad war im Mai an den IS gefallen. Seither dient sie als Ausgangsort für Angriffe der Terrormiliz in der Umgebung von Bagdad. Von den USA ausgebildete irakische Truppen sollen die Stadt wieder einnehmen.

3. Mehr Luftangriffe

Es soll mehr Luftangriffe geben. Carter hofft, dass sich durch Einsätze von Spezialkommandos und der Verbündeten mehr Informationen über "hochwertige Ziele" ergeben - zum Beispiel Aufenthaltsorte von Anführern oder Kommandozentralen.

Die sollen gezielt aus der Luft angegriffen werden. Gleichzeitig sollen Öl-Anlagen bombardiert werden. Der IS finanziert sich weitgehend aus dem Verkauf von Öl.

4. Elite-Kommandos sollen den IS angreifen

"Wir werden uns nicht zurückhalten, fähige Partner bei opportunistischen Angriffen gegen ISIL zu unterstützen oder selbst solche Missionen durchzuführen, entweder durch Luftangriffe oder direkte Einsätze auf dem Boden", sagte Carter in einer Aussage vor dem Komitee der Streitkräfte. Solche Angriffe werden sich wahrscheinlich vor allem gegen Anführer des IS richten.

Ausdrücklich bezeichnete Carter sie als Kampfeinsätze und wies darauf hin, dass es zu Verlusten kommen wird: "Soldaten werden sich in Gefahr begeben." Bereits in der vergangenen Woche war ein US-Soldat bei der Befreiung von 70 Gefangenen des IS getötet worden.

5. Man will in Verhandlungen mit dem Iran treten

Auch ihre bisherige Haltung zum Iran und dessen Beteiligung an neuen Gesprächen zum Syrien-Konflikt scheint die US-Regierung zu überdenken. Vertreter der Islamischen Republik seien zu geplanten Syrien-Verhandlungen am Donnerstag in Wien eingeladen worden, hieß es am Dienstag aus US-Regierungskreisen. Eine Antwort aus Teheran stehe noch aus.

"Wir gehen davon aus, dass der Iran zum bevorstehenden Treffen in Wien eingeladen wird", sagte ein Sprecher des State Departments am Dienstag. Er deutete aber an, dass Teherans Vertreter zu dem für Donnerstag oder Freitag geplanten Treffen noch nicht eingeladen worden seien. Der Termin und die genaue Liste der Teilnehmer werden noch ausgehandelt.

Da der Iran neben Russland einer der engsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ist, den die USA wiederum zum Abtritt zwingen wollen, hatte Washington eine Teilnahme der Islamischen Republik an den Krisengesprächen bislang ausgeschlossen.

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