ELTERN
26/10/2015 14:41 CET

Als sie DAS in einem Discounter-Prospekt entdeckte, schrieb eine Mutter diesen Brief

Oft wird die Werbeindustrie dafür kritisiert, unrealistische Vorstellungen davon zu vermitteln, wie Menschen idealerweise auszusehen haben. Meistens geht es in dieser Diskussion um Frauen.

Es gibt jedoch eine ganz andere Menschengruppe, die ebenso - wenn nicht sogar viel mehr - unter dem Wahn zur Perfektion dieser Gesellschaft leidet, welchen die Werbeindustrie nicht nur bedient, sondern sogar noch ankurbelt: Kinder.

Jen Krolls Tochter ist eines dieser Kinder, das sich selten mit den Kindern aus Filmen, Serien oder der Werbung identifizieren kann. Dies fiel ihr besonders auf, als sie plötzlich diesen Werbeprospekt eines amerikanischen Discounters in die Hände bekam, der ihr die Tränen in die Augen schießen ließ:

Dear Target, I love you. Thank you for including a child with braces and arm crutches into your advertising campaign!...

Posted by Jen Spickenagel Kroll on Sonntag, 18. Oktober 2015

Auf dem Bild sah man mehrere Kinder für Halloween-Kostüme werben. Was bei dem Mädchen, das ein Kostüm von Elsa, dem Star aus dem Disney-Film "Frozen" trug, auffiel war nicht nur ihr offensichtliches Entzücken über das blaue Kleid. Es war die Tatsache, dass sie an Krücken ging. Genau wie Jens Tochter Jerrensia.

Endlich ein Kind als Vorbild dargestellt zu sehen, das wie ihre Tochter mit besonderen Hindernissen im Leben zu kämpfen hat, rührte die Mutter von drei Kindern so sehr, dass sie die Werbung auf Facebook teilte und diesen Brief an Target schrieb, der anschließend viral ging:

"Liebes Target,

Ich liebe euch. Danke, dass ihr ein Kind mit Krücken und Gehhilfen in eurer Werbekampagne mit eingeschlossen habt! Und dann auch als keine geringere als Elsa! Meine Tochter (mit Armkrücken und Beinprothesen) wird AUSFLIPPEN, wenn sie das sieht! Kinder mit besonderen Bedürfnissen in die Werbung mit einzubeziehen macht sie weniger zu einem Spektakel für die allgemeine Öffentlichkeit, wenn sie sich raus in die echten Welt begeben. Behinderungen bei Kindern zu normalisieren ist UNBEZAHLBAR."

Auffällig unsichtbar

Es ist nachvollziehbar, warum Jen so begeistert ist. Kinder wie ihre Tochter sind alles andere als unauffällig, wenn sie versuchen, ihr alltägliches Leben zu bestreiten. Sie werden angestarrt, ausgelacht und mit Fragen gelöchert. In den Medien bleiben sie jedoch unsichtbar.

Jen muss selbst solche schmerzhaften Erfahrungen mit ihrer Tochter regelmäßig erleben, wie sie auf der amerikanischen Online-Plattform "Upworthy" erzählt.

Perfektion gilt als Maßstab der Dinge

"In der Mainstream-Kultur wird Perfektion als wertvoll erachtet. Familien mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen existieren nur in einer Subkultur. Die Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert werden, werden nur mit jenen geteilt, die sie auch verstehen. Und so sind wir für die Welt da draußen buchstäblich unsichtbar."

Diese Unsichtbarkeit befördert den Effekt nur noch, dass jene Kinder in der Öffentlichkeit Aufsehen erregen. "Menschen sehen Kinder wie meine Tochter nicht besonders häufig. Sie SEHEN Kinder mit Behinderungen nicht", erläutert Jen.

Entmystifiziert Menschen mit Behinderung!

"Als ich also sah, dass Target ein Mädchen mit Spina Bifida ganz vorne und in der Mitte einer Werbeanzeige platzierte, die den Disney-Liebling Elsa verkörperte, brachte es mich zum weinen. Dieses kleine Mädchen war nicht mehr unsichtbar. Armkrücken und Beinstützen waren entmystifiziert. Target hat dazu beigetragen, dieses Mädchen zu einem Teil der Mainstream-Kultur zu machen."

Bleibt zu hoffen, dass noch mehr Unternehmen dem großartigen Beispiel von Target folgen.

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