WIRTSCHAFT
26/10/2015 18:52 CET | Aktualisiert 27/10/2015 06:27 CET

Hat die Deutsche Bank Putin-Freunden geholfen, Sanktionen zu umgehen?

Geldwäsche für Putin-Freunde? US-Justiz ermittelt gegen Deutsche Bank
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Geldwäsche für Putin-Freunde? US-Justiz ermittelt gegen Deutsche Bank

Die Deutsche Bank hat schon viele Skandale erlebt - und alle mehr oder weniger glimpflich überstanden. Nun aber ist ein Verdacht aufgekommen, der das Geldinstitut endgültig in massive Schwierigkeiten bringen könnte.

Die Sache begann relativ harmlos. Im Mai dieses Jahres gab es erste Berichte, die Deutsche Bank habe für russische Kunden Geldwäsche betrieben. Um einen Betrag bis zu sechs Milliarden Dollar solle es sich handeln, so lauteten die Vorwürfe.

Das war längst nicht das erste Mal, dass es solche Berichte über die Bank erschienen. Die USA aber wollen nun genauer wissen, was dahinter steckt. Wie die “Financial Times” berichtet, weitet die amerikanische Justiz ihre Ermittlungen aus - und das aus einem guten Grund.

Der Verdacht der US-Ermittler hat politische Sprengkraft. Und die Folgen betreffen vor allem die USA. Denn die Geschäfte zwischen der Deutschen Bank und Moskau könnten, so berichtet die “FT”, den Zweck gehabt haben, wirtschaftliche Sanktionen zu umgehen, die die USA im Ukraine-Konflikt gegen Russland verhängt hatten.

Das Brisanteste an den Vorwürfen, ist: Die Ermittler schließen laut der Zeitung nicht aus, dass diejenigen, denen die Bank geholfen hat, das Geld zu waschen, zu den engsten Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin gehören.

Worum geht es genauer der Untersuchung?Wie “n-tv” berichtet, haben die Ermittler vor allem sogenannte “Mirror Trades” im Visier. Die funktionieren folgendermaßen: Russische Kunden kauften über die Deutsche Bank in Moskau Aktien in Rubel, um sie dann in London wieder in Dollar zu verkaufen.

Diese “Mirror Trades” machen die Ermittler stutzig. Denn laut “FT” vermuten sie, dass die Russen auf diesem Weg Geld illegal aus dem Land geschafft haben. Zum Teil liefen diese Transaktionen über das US-Finanzsystem, weshalb die Justiz dort auch Wind von der Sache bekam.

Unter den Klienten der Deutschen Bank sind einige sehr reiche Russen. Nach Angaben der “FT” sind unter den Kunden, die mutmaßlich ihr Geld von dem deutschen Geldinstitut haben waschen lassen, beispielsweise die Milliardärsbrüder Arkadi und Boris Rotenberg. Ihnen gehört die russische Bank SMP und eine der größten Baufirmen Russlands. Sie beide gehören zum engsten Zirkel Putins.

Was untersuchen die Ermittler nun konkret? Laut der amerikanischen Zeitung prüft die US-Justiz derzeit, ob die Deutsche Bank nach einem systematischen Plan den Russen dabei behilflich war, die US-Sanktionen zu umgehen und ob das oberste Management davon wusste.

Wie reagiert die Deutsche Bank auf die Vorwürfe? Wie “n-tv” berichtet, wollte die Bank auf die Anfrage keine Stellung zu den Ermittlungen beziehen. John Cryan, der im Juli dieses Jahres sein Amt als neuer Chef der Deutschen Bank antrat, scheint zumindest sofort erkannt zu haben, auf welches Glatteis sich sein Vorgänger begeben hatte. Gleich zu Beginn bereitete er dem russischen Investmentbanking in seinem Konzern ein Ende.

Für die Bank wäre es nicht der erste Skandal in diesem Jahr. Im Mai wurde festgelegt, dass das Geldinstitut in dem seit Jahren andauernden Libor-Skandal eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden US-Dollar zahlen muss. Es ging um Zinsmanipulationen, die der Deutschen Bank zur Last gelegt wurden.

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