WIRTSCHAFT
26/10/2015 12:49 CET | Aktualisiert 27/10/2015 06:28 CET

Kiron University: Diese Universität will Flüchtlingen Bildungschancen geben

Flüchtlinge
dpa
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Wie können die Millionen Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, integriert werden? Das wird Deutschlands große Herausforderung in den kommenden Jahren sein. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration liegt im Zugang zu Bildung für die Geflohenen – darüber sind sich Politiker und Experten einig.

Und genau das ist auch der Wunsch vieler Flüchtlinge: Die Chance auf Bildung. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

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Aber diese Chance wird ihnen verwehrt. Sie müssen Deutsch lernen, um sich überhaupt an einer Universität einschreiben zu dürfen. Sie müssen ihre Ausweisdokumente vorlegen, obwohl sie monatelang auf Reisen waren und diese oftmals nicht mitnehmen konnten. Und sie müssen ihre Schulzeugnisse dabeihaben, nachdem auf einem Boot und einem kleinen Rucksack über das Mittelmeer gekommen sind.

Der Student Markus Kreßler hat eine großartige Lösung für dieses gravierende Problem. Er gründete gemeinsam mit seinem Studienkollegen Vincent Zimmer eine eigene Universität für Flüchtlinge: Die Kiron University. Sie folgt einem simplen Konzept: Die Studenten absolvieren Online-Kurse. Erst im dritten Studienjahr besuchen sie eine reguläre Universität.

Online-Kurse ermöglichen das Studium

Dafür kooperiert die Kiron University mit Universitäten in Deutschland, aber auch international. Die Flüchtlinge haben zwei Jahre Zeit, die fehlenden Dokumente und Zugangsvoraussetzungen wieder zu beschaffen – und können an jedem Ort der Welt studieren. "Dadurch bekommen sie auch in ihrem Heimatland eine Perspektive, in dem sie gerne bleiben würden - und machen sich so vielleicht erst gar nicht auf den langen Weg nach Europa."

Fünf Fächer können die Flüchtlinge bereits studieren: Betriebswirtschaft, Ingenieurwesen, Informatik, Interkulturelle Studien und Architektur. Das Angebot wollen die Gründer in den nächsten Jahren erweitern.

Die Idee wurde an der Dönerbude geboren

Hinter der Idee steckt zum einen der Wunsch, Flüchtlingen dabei zu helfen, sich in Deutschland erfolgreich zu integrieren. "Bildung ermöglicht es, eine aktive Position in der Gesellschaft einzunehmen. Und zwar so, dass man sich selbst versorgen kann und einen Beitrag leistet", sagt Kreßler im Gespräch mit der Huffington Post.

Der Anstoß für das Projekt war aber eine persönliche Begegnung Kreßlers mit einem Flüchtling vor drei Jahren. „Ich traf Capoko aus Gambia nachts an einer Dönerbude", erzählt der Psychologiestudent. Capoko war zu dieser Zeit gerade in Deutschland angekommen. "Er saß dort, völlig ausgefroren, mutterseelenalleine." Kreßler nahm ihn mit – und aus einer Nacht wurde ein halbes Jahr.

Er wollte studieren - stattdessen wurde er abgeschoben

"In dieser Zeit prallten Welten aufeinander. Auf der einen Seite ich, der Student - mit allen Möglichkeiten. Auf der anderen Seite Capoko, der in Gambia alles zurückgelassen hat, weil er dort keine Perspektive hatte."

Dann wurde der neue Freund aus Gambia abgeschoben. Und dabei wünschte er sich nichts mehr als zu studieren, was er aber nicht durfte. "Ich glaube, dass diese Begegnung die Saat gelegt hat für das, was jetzt entstanden ist", sagt Kreßler rückblickend.

Die Kiron University will die Hürden für die Flüchtlinge beseitigen. "Damit der Studienabschluss von den Universitäten anerkannt wird, erarbeiten wir mit den Unis gemeinsam ein Curriculum", sagt der Gründer. Für die ersten 1000 Studenten ist die Finanzierung auf einem guten Weg: Eine Crowdfunding-Kampagne soll Geld bringen, zudem wird die University von Stiftungen unterstützt.

Gegenstimme zu Asylkritikern

Die Kiron University soll nicht nur eine Chance für Flüchtlinge sein. Sondern auch eine Gegenstimme zu den "besorgten Bürgern" und Asylkritikern in Deutschland. „Wir werden den Zweiflern zeigen, dass hier sehr motivierte und interessierte Menschen kommen“, sagt der 25-Jährige Kreßler. „Wenn sie noch keine Bildung haben, dann müssen wir ihnen Bildung ermöglichen.“

"Denn ist nicht so, dass irgendein Mensch gerne seinen eigenen Himmel hinter sich lässt. Das tut keiner von uns.“

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