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26/10/2015 11:10 CET | Aktualisiert 04/11/2015 04:39 CET

In der Wüste Marokkos wird gerade ein revolutionäres Projekt Wirklichkeit

Flickr/ Valdiney Pimenta
In der marrokanischen Stadt Ouarzazate entsteht die größte Solaranlage der Welt.

Die marokkanische Stadt Ouarzazate ist berühmt. In der schroffen, roten Landschaft am Rande der Wüste wurden schon Kinoklassiker wie "Lawrence von Arabien" gedreht. Auch der Kultserie "Game of Thrones" diente die Wüstenstadt als Drehort.

Nun jedoch ist Ouarzazate wegen eines ganz anderen Megaprojekts in den Schlagzeilen. Denn dort entsteht gerade etwas, das Marokko wohl so gut wie niemand zugetraut hätte: das größte Solarkraftwerk der Welt.

Das Ausmaß des Projekts ist enorm: Wenn das 1,8 Milliarden Euro teure Kraftwerk fertiggestellt ist, wird es mehr als eine Million Marokkaner mit Sonnenenergie versorgen.

Der Ort könnte für das 2100 Fußballfelder große Solar-Riesenprojekt nicht perfekter sein. Die Sonneneinstrahlung ist hier, am Rande der Wüste, extrem hoch. Sie liegt bei 2500 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, einer der höchsten Werte weltweit. Tage, an denen die Sonne nicht scheint, sind in Ouarzazate die absolute Ausnahme. Damit produziert das Feld jährlich mehr als das Siebenfache des größten Solarkraftwerks in Deutschland.

Ouarzazate liegt im Landesinneren Marokkos, südöstlich von Marrakesch.

Das Besondere an der Technik der Anlage ist: Die Wärmeenergie wird gespeichert und kann jederzeit ins Stromnetz abgegeben werden. “Die Anlage wird auch Stunden nach Sonnenuntergang Strom einspeisen können”, erklärt der Projektleiter, Rachid Bayed, in einem Bericht der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”.

Damit unterscheidet sich das sogenannte “Parabolrinnenkraftwerk“ in seiner Funktionsweise stark von den in Deutschland verbreiteten Photovoltaikanlagen. Diese nämlich sind nicht in der Lage, die Sonnenenergie zu speichern. Auch sonst sind die beiden Technologien nicht miteinander vergleichbar. Das Parabolrinnenkraftwerk nimmt die Sonnenenergie über gebogene Spiegel auf. Sie sind knapp neun Meter in die Höhe gebaut.

So funktioniert's: Die Spiegel bündeln die Sonnenstrahlen und erhitzen damit eine Flüssigkeit, die in Rohren unter den Spiegeln zirkuliert. Der so erzeugte Wasserdampf treibt die Turbine des Kraftwerks an. Diese Technik ist laut einem Bericht des “Guardian” teurer und weniger weit verbreitet als Photovoltaik, hat aber den genannten Vorteil, Strom auch dann produzieren zu können, wenn es keine Sonneneinstrahlung gibt.

solaranlage

Ein Parabolrinnenkraftwerk in Kalifornien, USA; Credit: USA.Gov Bureau of Land Management (BLM)

Die Riesensolaranlage ist nur eine der vielen Maßnahmen, die Marokko zum Vorreiter in der Energiewende lassen werden. Das nordafrikanische Land setzt massiv auf erneuerbare Energien. Bis 2020 sollen sie die Hälfte des Stroms landesweit zur Verfügung stellen. Marokko hat den großen Vorteil, dass dort nicht nur sehr oft die Sonne scheint. An der Küste bläst auch der Wind das ganze Jahr über stark und ausdauernd.

Nahe der Küstenstadt Tanger beispielsweise sind bereits unzählige Windräder im Einsatz. “Hier ist es eigentlich immer windig, die Räder laufen zu 98 Prozent des Jahres“, zitiert die “FAZ” Tarik Hamane vom staatlichen Energieversorger ONEE. Auch in Wasserkraftwerke hat Marokko in den letzten Jahren stark investiert.

Dass die Energiewende in Marokko so vorbildlich umgesetzt wird, liegt vor allem an der Hartnäckigkeit des Königs. Mohammed VI. unterstützt den Ausbau erneuerbarer Energien seit Jahren - wohl, weil er weiß, dass Marokkos Wirtschaft nur weiter wachsen kann, wenn es auf dem Energiemarkt unabhängig von anderen Nationen wird, aus denen das Land bisher Strom gekauft hat.

marokko koenig

Der marokkanische König, Mohammed VI., treibt die Energiewende voran; Credit: Getty

Das nordafrikanische Entwicklungsland ist im Aufschwung. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Realwachstum von vier Prozent. Dank der wachsenden Wirtschaft ist es dem Land inzwischen auch möglich, entlegene Dörfer an das Stromnetz anzuschließen. Laut “FAZ” wird Marokko in zehn Jahren doppelt so viel Strom benötigen wie heute, sollte das Wachstum so weitergehen.

Mohammed VI. will diesen Aufschwung - und die Hersteller erneuerbarer Energien profitieren. “Es hat drei Regierungswechsel gegeben, seitdem wir begonnen haben, die erneuerbaren Energien auszubauen“, zitiert die “FAZ” den Geschäftsführer der staatlichen Behörde MASEN (Moroccan Agency for Solar Energy), Mustapha Bakkoury. “Aber das Projekt läuft trotzdem planmäßig, weil der König es unterstützt.“

Die Anlage ist das erste von fünf geplanten derartigen Solarkraftwerken in Marokko. Laut dem “Guardian” soll nächsten Monat der erste von mehreren Teilen des Solarkraftwerks in Ouarzazate den Betrieb aufnehmen. Bis 2020 sollen alle fünf Anlagen fertig gebaut sein und insgesamt eine Gesamtleistung von 2000 Megawatt erzeugen.

Ein ehrgeiziges Ziel - dass die Marokkaner das Potential haben, es zu erreichen, haben sie bereits bewiesen. Die Ausdauer und die Effizienz auf dem Gebiet erneuerbare Energien sollten sich europäische Länder zum Vorbild nehmen.

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