POLITIK
26/10/2015 08:45 CET | Aktualisiert 26/10/2015 11:13 CET

Angst vor dem Erfrieren: Wie Flüchtlinge den Winter in Zelten überleben sollen

Die Winterzelte sollen Flüchtlinge warm halten.
Losberger
Die Winterzelte sollen Flüchtlinge warm halten.

42.000 Flüchtlinge leben in Deutschland in Zelten. Im Sommer ist das weitgehend unproblematisch. Kürzlich aber warnte die Caritas, dass Flüchtlinge in Deutschland erfrieren werden, wenn sie nicht ordentlich untergebracht werden.

Und die Behörden reagieren. In Massenunterkünften versuchen die Helfer verzweifelt, Flüchtlinge bis zum Winter in feste Unterkünfte zu bringen. Doch das stellt die Kommunen vor riesige Probleme. Denn wo sollen die Flüchtlinge hin? Es mangelt schlicht an Wohnungen, um Tausende schnell unterzubringen.

Gedämmt, beheizt, wetterfest

Doch es gibt eine Lösung. In der Erstaufnahmestelle im brandenburgischen Eisenhüttenstadt bauen die Helfer jetzt Zelte mit Dämmung - winterfest.

Bisher sind 17 Zelte für rund 60 Menschen entstanden. Dach, Wände und Böden sind wärmegedämmt. Mit einer Ölheizung lassen sich die Unterkünfte beheizen. "Es ist egal, wie kalt die Außentemperatur ist", sagt Dieter Schimmel vom Zeltehersteller Losberger im nördlichen Baden-Württemberg. Solange geheizt werden könne, sei die Temperatur in den Zelten immer angenehm.

Brandenburg stellt Geld für die Zelt-Lösung bereit

Die Zelte haben Fenster, Türen sind abschließbar. Ein Sanitärcontainer kann an jede Unterkunft angebaut werden. In afrikanischen Flüchtlingslagern leben Menschen in ähnlichen Zelten. Diesen Typ hat die Firma nun winterfest gemacht. Der brandenburgische Finanzminister Christian Görke (Linke) hat im Landeshaushalt dem RBB zufolge 1,5 Millionen Euro für die Winterzelte reserviert.

Doch die Lösung gefällt nicht allen: "Mich frustriert, dass man für Übergangslösungen so viel Geld ausgibt", sagt Bernd Mesovic von der Menschenrechtsorganisation "Pro Asyl" und fragt: "Was soll anschließend mit den Zelten geschehen?“ Er wünscht sich stattdessen Häuschen in modularer Holzbauweise, die schnell auf- und wieder abgebaut und anschließend für andere Zwecke verwendet werden können.

DRK-Präsident: Zelte sind nicht menschenwürdig

Eine Kurzzeit-Lösung sind die kältefesten Zelte auch in der Erstaufnahmestelle im baden-württembergischen Ellwangen. Von den 800 Bewohnern sind 200 in wärmeisolierten Zelten untergebracht, bezogen über den Dienstleister European Homecare. Die restlichen Zelte in der Unterkunft sind zumindest beheizt. In Ellwangen müssen Asylbewerber zu den Duschen und Toiletten im Sanitärcontainer über den Hof gehen - kein optimaler Zustand. "Bis der erste Schnee fällt, soll niemand mehr im Zelt wohnen", sagt der Leiter der Einrichtung, Berthold Weiß.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, sagt der "Welt": "Zelte, auch sogenannte winterfeste, sind keine dauerhafte menschenwürdige Unterbringung." Die Frage bleibt, ob wirklich alle 42.000 Zeltbewohner in Deutschland noch rechtzeitig ins Warme gebracht werden können. Am Ende könnte es keine Frage der Menschenwürde, sondern eine Frage des nackten Überlebens sein.