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26/10/2015 10:37 CET | Aktualisiert 21/01/2018 09:46 CET

Ein Schulbusfahrer tut einer 9-Jährigen Unaussprechliches an. Jetzt wehrt sie sich

Sie war neun Jahre alt und hatte eigentlich ein gutes Verhältnis zu ihrem Schulbusfahrer. Aber irgendwann merkte sie, dass sie nicht mehr wollte, dass er sie immer umarmte und küsste. Dass er ihr ständig viel zu nahe kam.

„Ich war in der zweiten Klasse, also könnt ihr meine Situation verstehen, dass man nicht erklären kann, was passiert“, erklärt Sangita (Name geändert) in dem Video der Organisation „Save the Childhood Movement“, die über sexuellen Missbrauch an Kindern aufklären will.

Der Missbrauch durch den Schulbusfahrer lief über einen Zeitraum von sechs Monaten, bis sie es einfach nicht mehr ertragen konnte.

„Ich habe gezittert vor Angst, wenn ich zur Schule musste.“ Eine Tages fasste sie all ihren Mut zusammen und erzählte ihrer Schwester, was los war.

Ihre Schwester ist zwei Jahre älter und verstand die Situation sofort. „Ich werde mit ihm sprechen“, sagte sie. „Nein, spreche nicht mit ihm, er wird mich bedrohen“, erwiderte Sangita

Sie hatte Angst, was passieren würde, wenn alle es erfahren würden.

So sagte ihre damalige beste Freundin auch zu ihr, nachdem der Missbrauch des Busfahrers publik geworden war: „Du hast etwas Schlimmes getan. Du hast den Schulbusfahrer zu Unrecht beschuldigt.“ Sangita fühlte sich schuldig. „Ich habe mich geschämt und nur noch weite Klamotten getragen. Ich dachte, vielleicht hätte irgendwas an mir ihn dazu gebracht, das zu tun.“

Damit ist Sangitas Leidensgeschichte noch nicht beendet.

Als sie 16 Jahre alt war, wurde sie wieder Opfer sexuellen Missbrauchs. Diesmal war es ihr Cousin. Der verängstigte Teenager wagte es nicht, sich ihrer Mutter anzuvertrauen. „Ich konnte es einfach nicht, er gehörte doch zur Familie“, erzählt sie mit zitternder Stimme.

Trotz ihrer schlimmen Geschichte hat es Sangita geschafft, sich von diesen Qualen zu befreien. Heute ist sie glücklich verheiratet und kann über ihre Erlebnisse sprechen.

Die junge Frau hofft, mit ihrer Geschichte anderen Kindern zeigen zu können, dass sie sexuellen Missbrauch ansprechen müssen.

Das Video über Sangita ist Teil der Survivor Chronicles von Bachpan Bachao Andolan (Save the Childhood Movement), in der Erwachsene über sexuellen Missbrauch sprechen, den sie in ihrer Kindheit erleiden mussten. Sie sprechen über ihre Schmerzen, die Scham und ihre Angst, jemandem davon zu erzählen.

Die indische Organisation wurde von dem Nobelpreisgewinner Kailash Satyarthi gegründet. Er will in der Gesellschaft das Bewusstsein für sexuellen Missbrauch an Kindern schärfen und alle ermutigen, dagegen vorzugehen.

Das Problem ist bei weitem keins, das nur Indien betrifft.

Auch in Deutschland werden laut polizeilicher Kriminalstatistik jährlich mehr als 14.000 Kinder in Deutschland Opfer von sexuellem Missbrauch. Allerdings ist die Dunkelziffer wahrscheinlich viel höher, denn solche Statistiken bilden oft nur einen Teil des tatsächlichen Missbrauchs ab, da sie nur die angezeigten Fälle erfassen.

„Nationale und internationale Dunkelfeldstudien (Befragungen, die die stattgefundenen, aber nicht angezeigten Delikte erfassen) berichten, dass 15-30% aller Mädchen und 5-15% der Jungen in ihrer Kindheit Opfer von sexuellem Missbrauch werden“, berichtet Mikado, ein Projekt der Universität Regensburg über sexuellen Missbrauch an Kindern auf ihrer Webseite. Wie Sangita damals wagen es auch viele Kinder von sexuellem Missbrauch in Deutschland nicht, über ihr Leid zu sprechen.

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