WIRTSCHAFT
26/10/2015 09:16 CET | Aktualisiert 27/10/2015 13:41 CET

Dynamic Pricing: Das ist Amazons perfider Preistrick - und keiner kennt ihn

dpa
Amazon

Ihr habt euch bei Amazon eine neue Kamera ausgesucht: 700 Euro. Ziemlich viel Geld. Da solltet ihr besser noch mal eine Nacht drüber schlafen, oder? Blöd, dass die Kamera am nächsten Morgen 1000 Euro teurer ist – und ja, das kann wirklich passieren.

Dahinter steckt das so genannte „Dynamic Pricing“ – dynamische Preisgestaltung. Online-Händler passen ihre Preise nach einem bestimmten Algorithmus an den Markt und das Kundenprofil an. Der Kunde ahnt in den meisten Fällen nichts davon.

Besonders aktiv bei dynamischer Preisgestaltung: Der Onlinehändler Amazon. Die ARD-Sendung „Marktcheck“ hat die Preistricks des Versandhändlers unter die Lupe genommen. Und dabei drei ziemlich überraschende Strategien aufgedeckt, nach denen Amazon seine Preise anpasst:

Am stärksten schwanken die Preise vormittags und abends

Ob wir morgens oder mittags unser neues Smartphone kaufen, kann sich extrem auf unseren Kontostand auswirken. Dabei schwanken die Preise vor allem vormittags - also zwischen acht und 12 Uhr - und abends ab 20 Uhr am stärksten.

Bei den Stichproben der Experten kostete das iPhone 6 zuerst 729 Euro, eine Stunde später nur noch 626 Euro. Ein weiteres Beispiel: die Canon SX700 HS. Aber nicht nur der Preis schwankte stündlich, auch die Anzahl der Preiswechsel war enorm: In nur drei Tagen änderte sich der Preis 275 Mal.

Die Ergebnisse von „Marktcheck“ bestätigt auch eine Studie des Preismonitorings-Anbieters „Minderest“ aus dem Jahr 2014. Die Forscher beobachteten verschiedene Produkte drei Tage lang. Das Ergebnis: Preise bei Amazon schwanken innerhalb weniger Stunden bis zu 240 Prozent. Besonders betroffen auch hier: Kameras und Smartphones.

Wer über Bannerwerbung kommt, zahlt weniger

Und auch über welchen Weg der Kunde in den Onlineshop kommt, wirkt sich auf den angebotenen Preis aus.

Bei der Google-Suche nach Kontaktlinsen etwa landeten die Experten von „Marktcheck“ auf der Seite des Onlineoptikers „lensbest“. Der Preis für die gewünschten Linsen: 29,99 Euro. Gleichzeitig wirbt der Händler auf Google mit einer Anzeige. Über diesen Weg kosteten die gleichen Linsen aber neun Euro weniger.

Tricksereien sind zulässig

Die Tricks von Amazon und Co sind für den Kunden zwar lästig, aber legal. Laut der Preisangabenverordnung (PAngV) müssen Preise weder für alle Kunden gleich noch einen bestimmten Zeitraum lang stabil sein.

Der Kunde kann sich aber mit ein paar einfachen Tricks vor Preisfallen schützen: Zum einen ist es wichtig Preise auf verschiedenen Portalen zu vergleichen. Außerdem sollten die Cookies regelmäßig gelöscht werden. Und um wirklich sicher zu gehen, dass ihr ein Produkt zum besten Preis kauft: Ruft das gleiche Produkt über euer Smartphone, Tablet und euren Rechner auf.

Nachtrag: Ein fehlerhafter Absatz wurde im Nachhinein entfernt.

Video: "Dashbutton”: Amazons neues Angebot klingt wie ein Aprilscherz - ist aber keiner

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