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23/10/2015 13:37 CEST | Aktualisiert 14/05/2016 13:19 CEST

Ein Kannibalenstern vernichtet Planeten - das Schicksal könnte auch der Erde drohen

Ein weißer Stern wird von den Trümmern eines auseinanderbrechenden Planeten umkreist (zeichnerische Darstellung der Szene)
Mark A. Garlick
Ein weißer Stern wird von den Trümmern eines auseinanderbrechenden Planeten umkreist (zeichnerische Darstellung der Szene)

Den „Todesstern“ kennt man eigentlich nur aus den "Star Wars"-Filmen als Festung der Bösen. Doch auch in der Realität gibt es solche Todessterne, die Planeten zerstören können – wenn auch nicht durch Schüsse aus einer Raumstation. Sie vertilgen die Himmelskörper einfach. In ferner Zukunft könnte dieses Schicksal auch die Erde treffen.

Schuld sind sogenannte „weiße Zwerge“, die Kannibalen unter den Sternen. Die Theorie, dass sie Planeten vernichten können, gibt es schon seit Längerem. Jetzt wurden die Astronomen um den Forscher Andrew Vanderburg vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik aber zum ersten Mal Zeuge der Zerstörung. Dokumentiert haben sie ihre Erfahrung in der wissenschaftlichen Zeitschrift "Nature".

570 Lichtjahre von uns entfernt treibt ein solcher weißer Zwergstern gerade sein Unwesen, im Sternbild Jungfrau. Ein erster kleiner Planet wurde „von der enormen Schwerkraft“ des toten Sterns auseinandergerissen, berichtet Vanderburg der Nasa. Die Trümmer fliegen jetzt durch das ferne Sternensystem – und der weiße Zwerg verleibt sie sich Stück für Stück ein. Über das Kepler-Weltraumteleskop konnte Vanderburg das Spektakel von der Erde aus beobachten.

Das erste Opfer des Sterns soll auch nicht das Einzige sein: Sechs weitere Planeten im Sternsystem WD 1145+017 könnte dasselbe Schicksal getroffen haben: gesprengt und verspeist vom eigenen Sonnensystem. Durch die große Entfernung sieht man die Entwicklung von der Erde aus allerdings erst sehr viel später.

Die Forscher sprechen von einer kosmischen Katastrophe. Doch gleichzeitig ist es auch ein Erfolg für die Wissenschaft: „Seit dem letzten Jahrzehnt haben wir vermutetet, dass weiße Zwerge die felsigen Überbleibsel vertilgen“, so Fergall Mullally, ein Forscher der Nasa in einem Bericht auf deren Webseite. „Dieses Ergebnis könnte die rauchende Waffe sein, nach der wir gesucht haben.“ Jetzt heißt es, genauer die Hintergründe zu erforschen – auch, um aus dem Fall zu lernen.

Schließlich könnte auch unserer Erde diese Katastrophe drohen, allerdings erst in weiter Zukunft. Der Grund: Weiße Zwergsterne sind nichts anderes als ehemalige „rote Riesen“, also Sonnen. Wenn ihnen die nukleare Energie ausgeht, stoßen sie ihre äußere Hülle ab. Zurück bleibt ein glühend heißer Kern.

Das Problem für die umliegenden Himmelskörper ist die Größenveränderung: Wenn eine Sonne schlagartig kleiner wird, erhöht sich ihre Dichte extrem und damit auch ihre Schwerkraft. Dadurch wirft sie ihre Planeten aus der Umlaufbahn. Vanderburg und seine Kollegen glauben, dass die Felskugeln sich immer mehr an den ausgebrannten Stern annähern. Das wird ihnen am Ende zum Verhängnis: Wer zu nahe kommt, wird durch die starke Anziehungskraft zerstört.

In sieben Milliarden Jahren wird auch unsere Sonne ausbrennen und in sich zusammenfallen. Als zerstörerisch weißer Zwerg wird sie dann ihren Kosmos genauso durcheinanderbringen, wie es jetzt viele Lichtjahre entfernt passiert ist. Spätestens dann könnte es also mehr als ungemütlich auf der Erde werden.

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