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23/10/2015 03:30 CEST

Auf diese 5 unangenehmen Fragen hat Niersbach keine Antwort

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei seiner Pressekonferenz gestern
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DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei seiner Pressekonferenz gestern

Auf DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wieder unangenehme Fragen zu. Erst gestern hatte er einen wenig überzeugenden Auftritt bei einer Pressekonferenz in Frankfurt. Heute wird er von seinen Kollegen im Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes in die Mangel genommen. Das Gremium trifft sich in Dortmund, wo es am Abend eine Gala zur Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums gibt.

Das Führungsgremium des DFB wird Aufklärung verlangen. Erneut dürfte die ominöse Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband FIFA aus dem Jahr 2005 zur Sprache kommen. Am Donnerstag hatte Niersbach bei seinem öffentlichen Auftritt in Frankfurt kaum zur Aufklärung beitragen können, zumal die FIFA die Version des DFB-Präsidenten umgehend zurückwies.

Niersbach war während der Pressekonferenz selbstkritisch. Er hat eingeräumt, seine Präsidiumskollegen nicht frühzeitig informiert zu haben, seit er "auf Umwegen" im Juni von der Zahlung erfahren habe. Im DFB-Führungsgremium sitzen unter anderen Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball, der zudem Präsident von Borussia Dortmund ist, und Christian Seifert als Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung. Rauball und Seifert sind auch DFB-Vizepräsidenten.

Niersbach wirkte bei der Pressekonferenz phasenweise konfus. Er verzettelte sich immer wieder. Zwar machte er deutlich, dass die Zahlung der ominösen 6,7 Millionen Euro erst nach der Vergabe der WM 2006 erfolgt sei und es damit keinen Stimmenkauf gegeben habe. Die genauen Umstände der Transaktion konnte er aber auch nicht darstellen.

Die Pressekonferenz gestern warf mehr Fragen auf, als sie beantwortete. Hier die 5 großen Rätsel in der Sommermärchen-Affäre.

1. Wusste Niersbach wirklich nichts von der Millionen-Zahlung?

Das ist eine der vielen Fragen, die weiter offen sind. Laut eigenen Aussagen habe er erst im Sommer auf "merkwürdigen Umwegen" von den 6,7 Millionen Euro erfahren. Die genauen Umstände der Zahlung im Januar 2002 von Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus auf ein vermeintliches Konto der FIFA-Finanzkommission will er erst im Gespräch mit Franz Beckenbauer am Dienstag erfahren haben.

2. Was geschah auf dem Treffen zwischen Beckenbauer und Blatter?

Heute wird es auch um ein geheimnisvolles Treffen von Beckenbauer und Blatter im Jahr 2002 gehen. Über das hatte Niersbach gestern erstmals berichtet. Der frühere OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt stützte in einer Erklärung die Version, wonach Beckenbauer mit FIFA-Präsident Joseph Blatter einen Zuschuss in Höhe von 250 Millionen Franken ausgehandelt habe und dafür im Gegenzug zehn Millionen Franken oder umgerechnet 6,7 Millionen Euro an die Finanzkommission der FIFA fließen sollten. Der Weltverband dementierte dies umgehend.

3. Warum lieh man sich Geld von Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus?

Niersbach konnte nicht erklären, warum für die Zahlung ein Darlehen beim früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus aufgenommen wurde. Warum hat das OK nicht einfach einen normalen Kredit aufgenommen und weshalb hat Beckenbauer offensichtlich ohne Rücksprache mit den anderen Mitgliedern des Organisationskomitees einen solchen Deal über die Bühne bringen dürfen? Niersbach konnte es nicht beantworten.

4. Was war der wahre Grund für die Millionen-Zahlung?

Keiner kann eine befriedigende Erklärung für den Zweck der Millionen-Zahlung geben. Der Verdacht ist, dass die 6,7 Millionen Euro zum Stimmenkauf eingesetzt wurde - zum Beispiel für Sepp Blatter, der im Mai 2002 gegen den Afrikaner Hayatou wiedergewählt wurde. Für diese These würde sprechen, dass die Fifa-Finanzkommission die 6,7 Millionen einforderte. Denn deren Vorsitzender war Julio Grondona aus Argentinien, der als Blatter-Vertrauter galt. Allerdings kann er nicht mehr befragt werden - er im letzten Jahr gestorben.

5. Welche Rolle spielte die FIFA wirklich?

Der zeitliche Kontext der Dreyfus-Überweisung im Januar 2002 ist zumindest interessant. Schließlich tobte zu diesem Zeitpunkt ein erbitterter Präsidentschaftswahlkampf zwischen Blatter und dem Kameruner Issa Hayatou. Blatter musste sich schon damals heftiger Korruptionsvorwürfe erwehren, setzte sich bei der Wahl im Sommer 2002 aber doch überraschend deutlich gegen Hayatou durch. Auch weil es ihm gelungen war, den Großteil der Europäer und auch den DFB hinter sich zu vereinen.

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