POLITIK
23/10/2015 00:47 CEST | Aktualisiert 21/05/2016 14:34 CEST

"Inhaltlich keine Differenzen": Bei "Illner" bekennt sich AfD-Frau Petry zum rechten Rand

Frauke Petry bei "Maybrit Illner"
Screenshot ARD Mediathek
Frauke Petry bei "Maybrit Illner"

Mal wieder bestimmt Björn Höcke eine Talkshow – obwohl er gar nicht unter den Gästen ist. Erst am Sonntag waren Hasskommentare das Thema bei "Günther Jauch": Damals dominierte Höcke, der Fraktionsvorsitzende der AfD in Thüringen, die Sendung.

Erst wedelte er mit einer Deutschlandfahne. Dann warnte Höcke vor dem Untergang des "tausendjährigen Deutschlands" und der Angst der "blonden deutschen Frau" vor muslimischen Männern. Halt, nein – auch Brünette und Rothaarige hätten Angst, von Muslimen, die einen anderen "kulturellen Kontext" hätten, vergewaltigt zu werden.

Seine unverhohlene Hetze schockiert das Land. Die Vorsitzende der AfD, Frauke Petry, distanzierte sich danach in einer internen E-Mail von Höcke. Er sei nicht befugt, für die Bundespartei zu sprechen, hieß es darin.

Nur wenige Tage später präsentiert sie eine ganz andere Einstellung. Das gleiche Thema, eine andere Talkshow. "Mörderische Hetze - zerreißt der Hass das Land?“, fragt dieses Mal Maybrit Illner. Eingeladen ist unter anderem Petry. Die Moderatorin will ihre Haltung zu Höcke wissen.

Illner konfrontiert sie mit einem Einspieler. In dem sagt Höcke in einem Tonfall, der irgendwo zwischen Goebbels und Karnevalsverein liegt: "Ich will nicht nur, dass Magdeburg und Deutschland eine tausendjährige Vergangenheit haben, sondern auch, dass sie eine tausendjährige Zukunft haben." Er geht noch weiter: "Bereiten wir ihnen einen heißen Herbst", ruft er im Hinblick auf die etablierten Parteien und: "Ich prognostiziere einen Bürgerkrieg".

Jetzt hätte Frauke Petry die Chance, sich vom rechten Rand zu distanzieren. Doch das tut sie nicht. Stattdessen faselt sie von "unterschiedlichen Stilen", die sie und Höcke hätten. "Wir sind eine gemeinsame Partei. Inhaltlich gibt es keine Differenzen zwischen uns", sagt sie. Die gebe es nur in der Frage des Stils. Hier habe Höcke Fehler eingestanden und Besserung gelobt.

Der Vizevorsitzende der CDU, Armin Laschet, kritisiert Petry deshalb scharf. Wenn die AfD eine demokratische Partei sein wolle, müsse Petry sagen: "Ich strebe ein Ausschlussverfahren an." Weiter: "Höckes Hetze und seine Vorstellungen von Deutschland machen mir Angst“, sagt Laschet. "Ich hoffe nicht, dass die AfD diesen Kurs nimmt, den Herr Höcke in Thüringen nimmt."

Kritik an Petrys Haltung kommt auch vom Magdeburger Oberbürgermeisters Lutz Trümper. Seiner Ansicht nach wird die AfD wegen Höcke Schaden nehmen. Er glaube, dass die Auftritte Höckes entscheidend dazu beitragen, "dass die AfD wieder sehr viel kleiner wird", prognostiziert Trümper. "Dass man das tausendjährige Reich wieder ausruft, ist einfach völlig absurd. Das stößt die Leute ab."

Bisher war unklar, wo die AfD politisch nach dem Abgang von Bernd Lucke steht. Jetzt nicht mehr.

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