POLITIK
22/10/2015 14:39 CEST | Aktualisiert 18/01/2016 12:35 CET

Experten warnen vor Versorgungsproblemen bei Impfstoffen

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Es könnte die Flüchtlingskrise noch einmal zusätzlich verschärfen - und Deutschland schon sehr bald vor ein großes Problem stellen. Experten warnen derzeit vor Versorgungsproblemen bei Impfstoffen. Und das kurz vor der Grippe-Saison.

Der Grund: Mehrere Pharmakonzerne haben derzeit Lieferengpässe bei Impfstoffen gegen Grippe, Polio, Keuchhusten und Diphtherie. Das geht aus einer aktuellen Auflistung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) hervor, über die die "Welt" berichtet. Das PEI ist für die Zulassung von Impfstoffen zuständig.

Der Impfstoffmangel ist gefährlich. Er durchkreuzt das Vorhaben der Bundesländer und Kommunen, die Flüchtlinge vor Wintereinbruch gegen die wichtigsten Infektionskrankheiten zu immunisieren.

"Bis zum Jahresende werden wir bestimmte Impfstoffe nicht bekommen, etwa den gegen Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung und Tetanus", zitiert die "Welt" Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Auch beim Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie beim nasalen Grippe-Impfstoff für Kinder zwischen zwei und sieben Jahren gebe es große Lieferengpässe, sagte Hartmann dem Blatt. "Mit anderen Worten: Wir können die Bevölkerung, einheimische Kinder und Flüchtlinge gleichermaßen, nicht mit den Basisimpfstoffen versorgen".

Kurios ist dabei: Ab November soll das neue Asylbeschleunigungsgesetz in Kraft treten. Einer der wichtigsten Punkte darin: Flüchtlinge sollen schneller und einfacher Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten - unter anderem auch zu Impfungen.

Das Robert-Koch-Institut veröffentlichte vor kurzem eine Mitteilung, die erahnen lässt, welche massiven Folgen das aktuelle Impfproblem haben könnte. Darin heißt es:

"In den Erstaufnahmeeinrichtungen wie auch in kommunalen Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende leben Menschen über längere Zeit oftmals eng zusammen. In dieser Situation besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Ausbrüche von Infektionskrankheiten in diesen Einrichtungen.

Durch eine wachsende Zahl unzureichend geimpfter Asylsuchender kann sich eine epidemiologisch relevante, ungeschützte Bevölkerungsgruppe entwickeln, bei der sich die Schließung von Impflücken aufgrund des dezentralen Gesundheitssystems in Deutschland schwierig gestalten kann."

Große Sorge bereitet Experten derzeit vor allem der Norovirus, also eine hochansteckenden Magen-Darm-Erkrankung. In Flüchtlingsheimen könnte sich ein solcher Virus möglicherweise schnell verbreiten.

Die Impfstoffproduktion und die Nachfrage nach den Impfstoffen ist nach PEI-Angaben jedes Jahr von vielen Faktoren abhängig, die es nicht möglich machen, eine sichere Vorhersage zu geben. Faktoren sind zum Beispiel die Ausbeute bei der Produktion, der Verlauf der Grippewelle und die Impfbereitschaft.

Jährlich sterben in Deutschland Tausende Menschen an der Virusgrippe. Labordiagnostisch bestätigt wird jedoch nur ein Bruchteil der Erkrankungs- und Todesfälle, weil Ärzte häufig auf einen Virusnachweis durch Labordiagnostik verzichten. In der Grippesaison 2014/2015 gab es rund 70.000 laborbestätigte Fälle von Influenza und 227 laborbestätigte Todesfälle.

Die Zahl der Grippetoten schwankt stark von Jahr zu Jahr. So starben nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in der Saison 2012/2013 etwa 21.000 bis 29 000 Menschen an Grippe. Ein Jahr zuvor waren es 2500 bis 7400.

Mit Material von dpa

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