POLITIK
22/10/2015 14:36 CEST

Tausende Flüchtlinge sollen in Büros einziehen – das sind die Folgen für die Mieter

DPA

Immer mehr Städte greifen auch auf Büros zur Unterbringung von Flüchtlingen zurück. Hamburg prüft derzeit eine langfristige Anmietung von rund 120.000 Quadratmetern Fläche für Flüchtlingsunterkünfte. Das berichtet das „Hamburger Abendblatt“. In der Hansestadt gibt es rund 900.000 Quadratmeter leerstehende Büroflächen.

Zwar hat die Hamburger Bürgerschaft jüngst beschlossen, leerstehende Gewerbeimmobilien könnten „schon bald für die Unterbringung von Flüchtlingen von der Stadt Hamburg beschlagnahmt werden.“ Doch will man einstweilen offenbar auf Freiwilligkeit setzen.

Die meisten Eigentümer könnten sogar ein gutes Geschäft machen. Viele Eigentümer hofften die Prüfung ihrer Flächen durch die Behörden zu bestehen, da angesichts des anhaltenden Flüchtlingszustroms die Konditionen günstig seien, berichtet das „Abendblatt“.

Die Hamburger Sozialbehörde, die eine Anfrage der „Huffington Post“ unbeantwortet will der Zeitung zufolge Verträge mit einer Laufzeit von zehn bis 15 Jahren abschließen. Makler rechneten langfristig mit einer Halbierung der Leerstandsquote. Auch in anderen Städten mieten Kommunen bereits Gewerbegebäude an oder planen diesen Schritt. Mitunter nutzen Vermieter die Notlage der Behörden und Flüchtlinge aus, und verlangen weit mehr Geld als noch beim letzten Mieter.

In Düsseldorf will die Stadt ebenfalls Büros anmieten, wie ein Sprecher der Stadt im Gespräch mit der „Huffington Post“ bestätigt. Einem Bericht der „Rheinischen Post“ zufolge müssen dafür bisherige Mieter weichen. Einem Rechtsanwalt teilte sein Vermieter mit, in Zukunft werde das Gebäude von der Stadt für die Unterbringung von "Wohnungslosen, Flüchtlingen und Asylsuchenden" genutzt. Und weiter: Vor diesem Hintergrund sei es "leider erforderlich", das Mietverhältnis zu beenden.

Auch andere Freiberufler wie ein Architekt haben dort ihre Büros. Manche von ihnen fürchten um ihre berufliche Existenz. Sie hoffen auf die Stadt. Dort heißt es, man wolle "keinesfalls, dass bisherige Mieter ausziehen müssen". Man könne jedoch nichts dafür, was ein Vermieter mache.

Rechtlich ist der Vermieter auf der sicheren Seite. Für Gewerbemieter gilt kein gesetzlicher Kündigungsschutz.

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