POLITIK
22/10/2015 13:00 CEST

Deutsche Bischöfe entschuldigen sich bei Homosexuellen

dpa
Erzbischof Heiner Koch (vorne), Relator (Berichterstatter) der deutschsprachigen Gruppe in der Familiensynode

Die Familiensynode der katholischen Kirche im Vatikan war ein großes Ringen. Das ist schon jetzt klar, obwohl das Schlussdokument zu der zweiwöchigen Tagung noch nicht fertig ist. Es war ein Ringen zwischen den Bewahrern, die in jeder noch so kleinen Veränderung der kirchlichen Lehre Ketzerei sehen. Und denen, die die Kirche stärker den Lebensgewohnheiten ihrer Gläubigen in Westeuropa und den USA öffnen möchten.

Im Brennpunkt des öffentlichen Interesses stand die kirchliche Verurteilung von Homosexualität, neben dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Manch einflussreicher Kardinal ließ sich sogar zu heftigen, homosexuelle Menschen diskriminierenden Äußerungen hinreißen. Die genaue Position von Papst Franziskus zur Homosexualität war die ganze Zeit über unklar. Die Kardinäle können sich für solche Aussagen also nicht auf das Oberhaupt der Kirche berufen.

Nun sind die deutschen Bischöfe mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit getreten, mit der sie sich auch für diese Mitbrüder entschuldigen. In dem Text der Relatio, die der Berliner Erzbischof Heiner Koch als Berichterstatter der deutschsprachigen Bischöfe in der Synode vortrug, heißt es:

„Im falsch verstandenen Bemühen, die kirchliche Lehre hochzuhalten, kam es in der Pastoral immer wieder zu harten und unbarmherzigen Haltungen, die Leid über Menschen gebracht haben.“

Der Text der deutschen Synodenteilnehmer wird dann ganz konkret: Die Kirche sei verantwortlich für das Leid, das sie „über ledige Mütter und außerehelich geborene Kinder, über Menschen in vorehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften, über homosexuell orientierte Menschen und über Geschiedene und Wiederverheiratete“ gebracht habe.

„Als Bischöfe unserer Kirche bitten wir diese Menschen um Verzeihung“, endet der Passus in einem bislang von deutschen Bischöfen so nicht gekannten Ton.

Zu konkreten Veränderungen in der kirchlichen Diskriminierungspraxis äußern sich die Bischöfe jedoch nicht. Ohnehin ist es fraglich, inwiefern es die Entschuldigung in das Abschlussdokument schaffen wird. Und auch dann hat der Papst das letzte Wort. Die Synode hat lediglich beratende Funktion für den Papst. Er wird am Ende ganz allein entscheiden, ob die kirchliche Lehre und Praxis in diesem Punkt verändert werden.

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