POLITIK
22/10/2015 01:20 CEST | Aktualisiert 22/10/2015 06:07 CEST

Rechte Gewalttaten haben sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt

Demonstranten des rechten "Widerstand Ost-West" in Frankfurt im Juni 2015
Getty
Demonstranten des rechten "Widerstand Ost-West" in Frankfurt im Juni 2015

Die Gewaltbereitschaft der Rechten steigt: Das Bundeskriminalamt warnt angesichts der Flüchtlingsdebatte vor weiteren schweren Gewalttaten. Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR befürchtet die Behörde, dass auch Betreiber von Unterkünften und Politiker ins "Zielspektrum entsprechend fremdenfeindlich motivierter Täterkreise" geraten könnten. Das ergibt sich aus einer vertraulichen Lagebewertung, die wenige Tage vor dem Anschlag auf die inzwischen gewählte Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker entstand.

Die Rechtextremen sind im Aufwind. Es sei davon auszugehen, dass die rechte Szene ihre "Agitation" gegen die Asylpolitik weiter verschärfe, schreibt das BKA. Das ansonsten "sehr heterogene rechtsextremistische Spektrum" finde hier einen "ideologischen Konsens".

Auch neue Protestformen könnten die Rechtsextreme ausprobieren. Das BKA befürchtet etwa die Blockade von Bahnstrecken und Autobahnen, um die Ankunft weiterer Flüchtlinge zu verhindern. Auch Personen, die vom Äußeren her für Asylbewerber gehalten würden, könnten verstärkt Opfer werden.

Inzwischen steigen laut der BKA-Analyse die Angriffe auf Asylunterkünfte weiter stark an. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres waren es 461 Taten, bei denen die Behörde einen rechten Hintergrund annimmt. Damit hat sich die Zahl der Delikte gegenüber dem gesamten Vorjahr mehr als verdoppelt.

Das BKA hat auch den Hintergrund der bisher ermittelten Tatverdächtigen beleuchtet. 228 sind namentlich bekannt, 14 von ihnen begingen gleich zwei oder drei solche Straftaten. 167 stammen aus der Nachbarschaft. Weitere 38 lebten 20 Kilometer vom Tatort entfernt.

Die Täter seien zumeist zwischen 20 und 25 Jahren alt. Sie stünden nur selten unter Alkoholeinfluss. 42 Prozent von ihnen handelten alleine, in 49 Prozent der Fälle sei es eine Gruppe von zwei bis fünf Tätern gewesen. Mehr als die Hälfte von ihnen gilt als "polizeilich bekannt", ein Drittel der Tatverdächtigen fiel bereits dem Staatsschutz auf – etwa wegen Volksverhetzung.

Der überwiegende Teil der Täter scheint nicht organisiert zu sein. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz hat das BKA feststellen können, dass sich 34 Prozent der Tatverdächtigen einer rechtsextremistischen Szene zuordnen lassen. Darunter zählen die Behörden rechte Subkulturen, Autonome Nationalisten und freie Kameradschaften.

Bei 18 Prozent gehören zu einer rechtsextremistischen Organisation - zum Beispiel durch eine Mitgliedschaft oder gar als Funktionär. Hinweise, dass rechtsradikale Parteien die Straftaten anordnen oder lenken, ließen sich bisher nicht belegen.

Meisten richtet sich die Gewalt gegen Asylunterkünfte. Die Mehrzahl der Angriffe richtet sich vor allem gegen bereits bewohnte oder im Bau befindliche Sammelunterkünfte. Neben Brandstiftung griffen die Täter zu Waffen wie Zwillen mit Stahlkugeln und Holzknüppeln sowie Buttersäure.

Die meisten Angriffe hat das BKA im August 2015 verzeichnet. Nordrhein-Westfalen führt mit 121 Delikten die Statistik an, Sachsen folgt mit 57 Straftaten. Mit Sorge vermerkt das BKA, dass es angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen noch sehr viel mehr solche Einrichtungen und damit „Tatgelegenheiten“ geben werde.

Wut-Video: So rechnet ein Flüchtling mit den besorgten Bürgern ab

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite