POLITIK
22/10/2015 00:17 CEST | Aktualisiert 22/10/2015 00:24 CEST

Wikileaks veröffentlicht private E-Mails von CIA-Chef John Brennan

CIA-Direktor John Brennan
Getty
CIA-Direktor John Brennan

Ein Tweet versetzte den US-Geheimdienst CIA in Panik. Die Enthüllungsplattform Wikileaks teilte mit, man habe die E-Mails vom privaten Konto des CIA-Direktors John Brennan erhalten.

Peinlich für die CIA: Ein Highschool-Schüler will mit einfachen Mitteln das AOL-Konto von Brennan gehackt haben. Der Geheimdienst-Direktor darüber auch dienstliche Daten und Dokumente verschickt und empfangen haben.

Gestern Abend begann die Enthüllungsplattform, die Informationen ins Netz zu stellen. Unter den Dokumenten findet sich neben einem zum Teil ausgefüllter Antrag Brennans auf eine Sicherheitsüberprüfung eine Notiz zur Iran-Politik sowie ein Brief eines republikanischen Abgeordneten über CIA-Verhörmethoden. Offen blieb zunächst, ob durch die Veröffentlichung des Fragebogens zu seiner Sicherheitsprüfung auch geheime Informationen zur nationalen Sicherheit in Umlauf gerieten.

Der Hacker machte sich unterdessen über Twitter über die CIA lustig: "Wenn sie unser Haus stürmen, werde ich John fragen, warum er immer noch AOL benutzt."

Der Hacker gab sich als ein Schüler zu erkennen. Er stellte sich im Gespräch mit der Zeitung "The New York Post" als Highschooler vor, der mit seiner Cyberattacke gegen die US-Außenpolitik protestieren wollte. Dazu habe er sich als Mitarbeiter der Telekommunikationsfirma Verizon ausgegeben und so einen anderen Angestellten dazu gebracht, Informationen über Brennans Konto preiszugeben.

Alle enthüllten Dokumente stammen aus der Zeit vor 2009. Also aus der Zeit, bevor Brennan als Anti-Terror-Berater ins Weißen Haus kam. Für den Posten reichte er zuvor einen Antrag auf Sicherheitsüberprüfung ein. In dem gehackten Dokument finden sich neben der Sozialversicherungsnummer seiner Frau auch Namen von früheren Kollegen, mit denen Brennan im Lauf seiner langen Karriere bei der CIA zusammenarbeitete, ehe er Mitte der Nullerjahre vorübergehend in den Privatsektor wechselte.

Auch seine Meinung zur Iran-Frage findet sich in den Dokumenten. Eine nach Obamas Wahlsieg im Jahr 2009 verfasste Notiz Brennans, die offenbar für den Präsidenten gedacht war, beschäftigt sich mit dem Umgang mit dem islamischen Land. Der damalige Berater warb für eine pragmatische Herangehensweise nach dem Motto Zuckerbrot und Peitsche, derer sich die US-Regierung letztlich zum Teil bedienen sollte, um Teheran zu Verhandlungen über eine Zähmung seines Atomprogramms zu bewegen.

Er plädierte für einen pragmatischen Umgang mit dem Iran. "Die USA haben keine andere Wahl als Wege zur Koexistenz zu finden - und mit Teheran auszukommen, ganz egal welche Regierung dort an der Macht ist", schrieb Brennan. Doch auch der Iran werde mit den USA "auskommen" müssen.

Heftig kritisiert er den Ex-Präsidenten George W. Bush. Die Möglichkeiten Teherans zur Förderung seiner politischen und wirtschaftlichen Interessen hingen von einem nichtfeindlichen Verhältnis mit dem Westen ab. "Unbegründet" habe Busch den Iran als Teil der weltweiten "Achse des Bösen" gebrandmarkt, schrieb Brennan.

Interessant dürfte auch ein Dokument zu Foltermethoden sein. In einem auf 2008 datiertem Schreiben erläutert der damalige republikanische Senator Kit Bond, seinen Kollegen seinen Vorschlag, wonach die umstrittenen CIA-Verhörpraktiken nicht so stark eingeschränkt werden sollten, wie es im Handbuch des US-Militärs vorgeschrieben wäre. Warum Bonds Brief im Besitz von Brennan war, ist unklar. Der heutige CIA-Chef hat die brutalen Verhörmethoden des US-Auslandsgeheimdiensts zwar als Mittel zur Gewinnung wertvoller Informationen verteidigt, zugleich aber den Beschluss Obamas zum Verbot der Praktiken unterstützt.

Für die Echtheit der Dokumente führte Wikileaks keine Beweise an. Indirekt bestätigte aber die CIA selbst deren Echtheit. In einer Stellungnahme erklärte sie, "das Anzapfen der E-Mails der Familie Brennan ist eine Straftat". Es gebe keine Anzeichen dafür, dass es sich bei irgendeinem der Dokumente um geheime Informationen gehandelt habe.

Der Hacker macht sich inzwischen schon mal Gedanken über seine Zukunft:

Mit Material der AP und der DPA

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