POLITIK
21/10/2015 18:44 CEST | Aktualisiert 21/10/2015 18:47 CEST

Unfassbarer Flyer einer Immobilienfirma: "Wir wollen keinen einzigen Flüchtling diskriminieren, ABER..."

dpa

Es ist ein Schreiben, das für mächtig Ärger sorgt. Zwei Seiten ist es lang - und es verbreitet sich rasant über die sozialen Netzwerke. Zuerst hat darüber die "Berliner Zeitung" berichtet.

Der Absender? Das Unternehmen "Stadt&Raum". Der Adressat? Anwohner des Berliner Stadtteils Wilmersdorf. Der Inhalt? Auf den ersten Blick nur ein Flyer der Immobilienfirma.

Doch dahinter steckt mehr. In dem Brief warnt das Unternehmen vor einem Werteverlust vor Immobilien. Als Grund wird eine Registrierungsstelle für Flüchtlinge in Wilmersdorf angeführt.

In dem Schreiben heißt es wörtlich: „Was wird ihre schöne Wohnung in einem halben Jahr noch wert sein? Die Hälfte oder noch weniger? – Wie sie vielleicht nicht wissen, wird die alte Berliner Sparkasse die neue Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber.“

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Wir wollen hier keinen einzigen Flüchtling diskriminieren, aber die Nachrichten von Gewalttaten in Flüchtlingslagern, von Einbrüchen, Diebstählen (…) gehen jeden Tag durch die Presse, und als neutrale Beobachter des Marktes (…) wissen wir einfach, dass sich die Wohnungspreise in der Nachbarschaft solcher Großeinrichtungen im Nu halbieren werden.“

Ein nicht unerhebliches Detail wird dabei vergessen: Laut „Berliner Zeitung“ soll das Gebäude, auf das in dem Schreiben Bezug genommen wird, nicht zur Flüchtlingsunterkunft werden. Stattdessen sollen dort Büroräume entstehen.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend. Der Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf nennt den Aufruf des Maklerbüros „schäbig und pervers“. Der „Berliner Zeitung“ sagte er: "Schäbig, weil mit falschen Behauptungen und Vorurteilen massiv Ängste geschürt werden." Pervers sei der Brief, „weil Brandstiftung im Gewande des Biedermanns einer vermeintlich seriösen Maklerfirma“ betrieben werde. Der Landesvorsitzende des Rings Deutscher Makler (RDM) nannte den Brief „unmöglich und „schockierend“.

Und was sagt die Immobilienfirma? Der Inhaber der Firma „Stadt&Raum“, Uwe Fenner, sagte der Zeitung, er habe sich wohl etwas im "Ton vergriffen". Einer seiner Kunden wolle in der Gegend eine Wohnung kaufen.

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