POLITIK
21/10/2015 13:44 CEST

Araber sind Schuld am Holocaust? Dieses Zitat sorgt für mächtig Ärger in Israel

Benjamin Netanjahu hat sich böse im Ton vergriffen
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Benjamin Netanjahu hat sich böse im Ton vergriffen

Kein Tag vergeht zur Zeit ohne neues Blutvergießen zwischen Israelis und Palästinensern. Befürchtungen werden lauter, dass nach 1987 und 2000 die dritte Intifada droht. Also ein neuer palästinensischer Aufstand gegen Israel.

Nun hat Benjamin Netanjahu weiteres Öl in das bereits lichterloh brennende Feuer gegossen: Während einer Ansprache vor Delegierten auf dem Internationalen Zionistenkongress am Dienstag in Jerusalem erklärt er, der palästinensische Mufti (ein hoher islamischer Rechtsgelehrter) von Jerusalem, Amin al-Husseini (1893 -1974) habe Adolf Hitler erst zur systematischen Judenvernichtung angestiftet:

"Hitler wollte die Juden zu dem Zeitpunkt nicht vernichten, sondern ausweisen", sagte Netanjahu. "Und Amin al-Husseini ging zu Hitler und sagte: "Wenn Sie sie vertreiben, kommen sie alle hierher." Netanjahu fuhr fort: "Also, was soll ich mit ihnen tun?", fragte Hitler. Al-Husseini sagte: "Verbrennt sie."

Netanjahus Aussagen haben in seinem Heimatland für Empörung gesorgt: Israels Oppositionsführer Izchak Herzog rief Netanjahu dazu auf, seine Äußerungen zurückzuziehen. Es handele sich um eine "gefährliche Verzerrung der Geschichte, die den Holocaust trivialisiert".

„Herr Netanjahu sollte diese humanitäre Tragödie nicht instrumentalisieren, um für seine politischen Ziele zu punkten”, erklärte der palästinensische Chef-Unterhändler Saeb Erekat. Harsche Worte kamen auch vom israelischen Verteidigungsminister Mosche Yaalon. Husseini habe nicht die sogenannte Endlösung erfunden. „Das war die teuflische Idee von Hitler selbst”, sagte er.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs stand Palästina unter britischem Mandat. Die Briten schränkten die Einwanderung von Juden streng ein. Al-Husseini war ein enger Verbündeter von Hitler und lebte ab 1941 bis zum Kriegsende im Exil in Nazi-Deutschland. Auch der Mufti habe den Juden damals fälschlich vorgeworfen, sie wollten die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg zerstören, sagte Netanjahu in Bezug auf den jüngsten Streit mit der Palästinenserführung.

Mit Material von dpa.

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