POLITIK
22/10/2015 00:51 CEST | Aktualisiert 22/10/2015 01:25 CEST

AfD-Spitze distanziert sich nach Talkshow-Auftritt von Björn Höcke

DPA
Björn Höcke auf einer AfD-Kundgebung in Erfurt gestern

Mit seinem Auftritt bei "Günter Jauch" erregte Björn Höcke Aufsehen. Der Fraktionschef der AfD in Thüringen holte demonstrativ eine Deutschlandfahne aus der Tasche und faltet sie über der Stuhllehne, faselte von "1000 Jahren Deutschland" und warnte vor Überfremdung - und drohte mit einer Notbremse, die das Volk in der Flüchtlingsfrage irgendwann ziehen würde.

In Thüringen bezeichnet er sich gerne als "Stimme des Volkes". Für seine Partei soll er auf Bundesebene aber keine Rolle mehr spielen. Denn die AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen waren von seinem Auftritt überhaupt nicht begeistert. "Er ist nicht legitimiert, für die Bundespartei zu sprechen", schreiben die beiden Mittwochabend in einer Email an die Parteimitglieder, die dem Mediendienst "kress.de" vorliegt.

Die AfD-Spitze fürchtet um das Ansehen der Partei. In dem Schreiben sagten Petry und Meuthen, dass sie sich "wie die große Mehrheit der AfD Mitglieder" vom "derzeitigen Stil des Auftretens des thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höckes nicht vertreten" fühlen."

Petry hat offenbar Probleme mit dem rechten Flügel ihrer Partei. "Es mag mancher als befriedigend empfunden haben, dass das, was er schon immer mal selbst gesagt haben wollte, nun durch Björn Höcke zum Ausdruck gebracht wurde. Das Befriedigen persönlicher Gefühle unserer eigenen Klientel, bzw. besser gesagt einer Teils derselben, ist aber gerade nicht Zweck solcher Auftritte", heißt es in der Email.

Der Rechtsruck der AfD scheint der Parteispitze Sorgen zu bereiten. "Überlassen wir die Bedienung von billigen Reflexen denjenigen, die mehr nicht zu bieten haben. Wir möchten uns nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich deutlich von denjenigen unterscheiden, die zu Recht im politischen Diskurs Deutschlands als Extremisten gebrandmarkt und damit ausgeschlossen sind", schreiben sie.

Der Protest gegen die Kundgebungen der AfD in Erfurt wächst seit Höckes Auftritt. Am Mittwochabend versammelten sich nach Polizeiangaben rund 2500 Gegendemonstranten. Bei der vorangegangenen Kundgebung vor zwei Wochen waren es erst 800.

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