WIRTSCHAFT
20/10/2015 10:53 CEST

5 traurige Wahrheiten über Hartz IV

dpa
5 traurige Wahrheiten über Hartz IV

Mehr und mehr Selbständige verdienen nicht genug, um davon zu leben. Sie brauchen zusätzlich Hartz-IV. Die Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann, Sprecherin ihrer Fraktion für dieses Thema, hatte die Diskussion nun wieder ins Rollen gebracht, obwohl die Zahlen dazu nicht neu sind.

Zeit, einen Blick auf dieses Problem - und andere, viel gravierendere mit Hartz IV, zu werfen:

1. Mehr und mehr Selbstständige können von ihrer Arbeit nicht leben

Laut Bundesagentur für Arbeit stieg die Zahl der selbstständigen Aufstocker von 2007 bis 2014 um 76 Prozent auf knapp 118.000 – die Zahl der Selbstständigen an sich blieb in diesem Zeitraum laut Statistischem Bundesamt nahezu gleich. Der Anstieg ist bedenklich - trotzdem betrifft das Aufstocken noch immer nur drei Prozent der über vier Millionen Selbstständigen in Deutschland.

2. Zahl der Hartz-IV-Empfänger aus Krisenländern steigt

Angesichts der Flüchtlingskrise viel gravierender sind allerdings andere Zahlen: Die Bundesagentur für Arbeit hat keine Daten darüber, wie viele Asylbewerber Hartz IV beziehen. Sie hat deshalb ausgewertet, wie viele Menschen, die aus den zehn Ländern, aus denen die meisten Asylbewerber stammen, auf das Arbeitslosengeld II angewiesen sind.

Derzeit beziehen knapp 436.000 Menschen aus diesen Ländern Hartz IV – 23 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Das ist erst einmal nicht verwunderlich, schließlich sind viele Menschen nach Deutschland gekommen.

Bedenklich ist aber, dass der Anteil der Menschen, die Arbeit als Angestellte gefunden haben, nur um neun Prozent gestiegen ist.

3. Fast jedes fünfte Kind braucht Hartz IV

Laut Bundesagentur für Arbeit bekommen derzeit 16 Prozent der Kinder unter 15 Jahren in Deutschland Hartz IV. Das heißt nicht, dass es fast jedem fünften Kind in Deutschland schlecht geht. Aber es heißt, dass fast jedes dieser Kinder schon früh Sorgen kennenlernt, die alle Eltern ihren Kindern gern ersparen würden.

Besondes heftig trifft es Haushalte, in denen ein Elternteil die Kinder allein erzieht. Fast 40 Prozent der Alleinerziehenden mit Kindern haben Anspruch auf die Grundsicherung.

4. Jeder zehnte Haushalt bezieht Hartz IV

Deutschland geht es gut derzeit – und trotzdem sind laut Bundesagentur für Arbeit zehn Prozent aller Haushalte hilfebedürftig. Und acht Prozent der Menschen, die aufgrund ihres Alters eigentlich arbeiten könnten.

5. Die Schere zwischen Ost und West ist geblieben

„Hohe Hilfequoten weisen vor allem städtische Ballungsräume, Teile Nordrhein Westfalens und Ostdeutschland auf – niedrige finden sich vor allem in Bayern“, heißt es im aktuellen Bericht der Arbeitsagentur.

Im Osten beträgt zum Beispiel der Anteil der Arbeitslosen, die Hartz IV bekommen, 6,6 Prozent, im Westen sind es 3,8 Prozent.

Am besten ist die Situation in der bayerischen Universitätsstadt Eichstätt, dort hat nur ein Prozent der Erwerbsfähigen Anspruch auf Hilfe. Trauriger Rekord ist Bremerhaven mit 22 Prozent.

Video: Video: Hartz IV oder Vollzeit-Job?: Schlecht ausgebildet, viele Kinder? Dann leben Sie besser mit Hartz IV

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite