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19/10/2015 04:32 CEST | Aktualisiert 19/10/2015 10:19 CEST

Das sind die 6 größten Rätsel im "Sommermärchen"-Skandal

"Kaiser" Franz Beckenbauer wehrt sich gegen die Vorwürfe des "Spiegel"
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"Kaiser" Franz Beckenbauer wehrt sich gegen die Vorwürfe des "Spiegel"

In der "Sommermärchen"-Affäre steht Aussage gegen Aussage. Der "Spiegel" behauptet, der Deutsche Fußball Bund (DFB) habe für die Vergabe der WM 2006 6,7 Millionen Euro bezahlt, um vier Stimmen aus asiatischen Mitgliedsländern zu kaufen.

Der DFB wehrt sich gegen die Behauptung. Die Macher des "Sommermärchens" mit Franz Beckenbauer an der Spitze haben die Flucht nach vorn angetreten. "Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren. Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat," erklärte der "Kaiser" am Sonntag.

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So soll das Sommermärchen vom DFB gekauft worden sein

Vor dem damaligen Chef des WM-Organisationskomitees hatten bereits DFB-Boss Wolfgang Niersbach, der frühere Bundesinnenminister Otto Schily sowie Beckenbauer-Intimus und OK-Vizepräsident Fedor Radman die Vorwürfe des Magazins "Der Spiegel" heftig zurückgewiesen.

Es habe keinen Stimmenkauf gegeben, versicherte Niersbach. Er war damals einer der Stellvertreter von OK-Chef Beckenbauer. "Ganz sicher nicht. Das kann ich allen Fußball-Fans versichern", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes und ergänzte: "Nochmal: die WM war nicht gekauft." Doch auch der "Spiegel" bleibt bei seiner Darstellung.

Das sind die sechs größten Rätsel im "Sommermärchen"-Skandal.

1. Wer hat Recht?

Die Veröffentlichung wird ein juristisches Nachspiel haben: "Gegen die Kernbehauptung der Geschichte", will der DFB "allen denkbaren rechtlichen Schritten" vorgehen - von der Unterlassungserklärung bis zum Widerruf. Auch strafrechtliche Schritte sollen geprüft werden. Die "Spiegel"-Redaktion dagegen ist sich ihrer Sache sicher: Aus einem Verdacht sei "Gewissheit" geworden, steht in ihrer "Hausmitteilung".

2. Wer ist die undichte Stelle?

Unklar ist, ob der "Spiegel" recht mit seiner Darstellung hat. Eindeutig ist jedoch, dass er an jede Menge Insider-Informationen des DFB gelangt ist. Aber wer hat sie ihm gegeben. Viele sind überzeugt davon, dass der frühere Chef des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, dem "Spiegel" Informationen zugespielt hat. Im "ZDF-Sportstudio" sagte Guido Tognoni, der einstige Mediendirektor der FIFA, "die undichte Stelle" sei möglicherweise Zwanziger.

Der konterte am Sonntag mit einer Stellungnahme seines Anwalts: "Die abenteuerlichen Vorwürfe von Herrn Tognoni" seien "weder begründet" noch "geeignet, der Wahrheitsfindung zu dienen". Das Verhältnis zwischen Zwanziger und seinem Nachfolger Wolfgang Niersbach ist seit Langem zerrüttet. Ist der ganze Skandal vielleicht nur ein Rachefeldzug von Zwanziger?

3. Was geschah mit den 6,7 Millionen Euro?

Die Angelegenheit ist ziemlich verwirrend. Der "Spiegel" schreibt, dass der Unternehmer Robert Louis-Dreyfus im Jahr 2000 umgerechnet 6,7 Millionen Euro zur Verfügung stellte, mit denen der DFB Stimmen für die WM-Vergabe kaufen sollte. Der DFB habe fünf Jahre nach der WM-Vergabe diese Summe mit der Begründung "Beitrag Kultur-Programm Fifa" auf ein Fifa-Konto in Genf gezahlt.

Später soll Louis-Dreyfus das Geld zurückgefordert und auch erhalten haben. Der DFB dagegen sagt, er habe im Sommer 2015 einen Anruf bekommen, man soll sich um die Zahlung aus dem Jahr 2005 kümmern. In den Büchern sei dann der Zweck der Zahlung nachzuvollziehen gewesen.

4. Welche Rolle spielt Louis-Dreyfus?

Nach Angaben des "Spiegel" hat der DFB 2005 das angebliche Schmiergeld für eine Fifa-Gala gezahlt, die im Juni 2006 stattfinden sollte. Auf der Veranstaltung sollten Sänger wie André Heller oder Peter Gabriel auftreten. Die Party sollte insgesamt 22 Millionen Euro kosten. Die 6,7 Millionen, die der DFB angeblich an Dreyfus zurückzahlen wollte, seien darin "versteckt" gewesen. Der Weltverband sagte die Veranstaltung allerdings Anfang 2006 ab - das Geld wurde allerdings nicht zurückgezahlt.

5. Was geschah wirklich auf dem Treffen am Frankfurter Flughafen?

Ein wichtiger Baustein in der Darstellung des "Spiegel" ist ein Treffen am Frankfurter Flughafen im Jahr 2013. Dabei waren Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt, Franz Beckenbauer und sein Assistent Fedor Radmann.

Auf diesem Treffen soll Zwanziger gesagt haben, dass die Geschichte mit den 6,7 Millionen Euro dem DFB gefährlich werden könne: "Klärt das auf, sonst sind wir die Gejagten." Der DFB bestreitet dies aber. Bei der Zusammenkunft sei nur über die Folgen der Pleite des Rechtevermarkters ISL gesprochen worden. Zwanziger würde sich entweder irren oder bewusst lügen.

6. Ist das Dokument, das Niersbach belastet, echt?

Angeblich soll ein Dokument aus dem Jahr 2004 Niersbach belasten, das im Zusammenhang mit dem Vorgang stehen und einen handschriftlichen Vermerk von ihm tragen soll. "Ich kann mich daran absolut nicht erinnern, zumal ich in meiner Eigenschaft als OK-Vizepräsident Marketing und Medien nur sehr bedingt in wirtschaftliche Transaktionen eingebunden war", erklärte der DFB-Chef, als er auf das Schriftstück angesprochen wurde.

Als der "Spiegel"-Autor Jens Weinreich in der TV-Sendung "Sky90" gefragt wurde, ob er denn die Handschrift des DFB-Präsidenten auf dem ihn angeblich belastenden Schriftstück habe prüfen lassen, räumte der Reporter ein: "Das haben wir noch nicht prüfen lassen, nein.“

Mit Material der DPA

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