WIRTSCHAFT
19/10/2015 11:49 CEST | Aktualisiert 20/10/2015 15:52 CEST

Experten warnen: Palmöl - das unsichtbare Gift für unsere Gesundheit

Es gibt wohl kaum ein Lebensmittel, gegen das Naturschützer so viele Protestaktionen gestartet haben, wie Palmöl. Nach einer monatelangen Kampagne von Greenpeace - samt viraler Schock-Videos - wechselte etwa Nestlé seinen Lieferanten für das Naturprodukt. Die Öko-Krieger hatten dem Unternehmen vorgeworfen, es trage zur Abholzung der indonesischen Regenwälder bei. Und auch gegen Ferreros Kassenschlager Nutella gab es zuletzt Boykottaufrufe.

Wie Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz im Gespräch mit der Huffington Post erläutert, enthält mittlerweile etwa die Hälfte aller Fertig-Lebensmittel Palmöl – Tendenz zuletzt deutlich steigend. Palmöl ist nicht nur in Schokoriegeln oder Brotaufstrichen wie Nutella, sondern etwa auch in Tiefkühlpizzen, Lippenstiften, Schokoriegeln, Brotaufstriche, Tütensuppen, und Cremes enthalten.

„Das Öl ist für die Industrie billig, die Plantagen sehr ergiebig“, weiß Umbach. 70 Prozent des weltweit produzierten Palmöls landet Umbach zufolge mittlerweile bereits in Lebensmitteln.

Ein beängstigender Trend: Denn Mediziner und Konsumentenschützer warnen im Gespräch mit der Huffington Post vor Gesundheitsrisiken, die mit dem Verzehr des, zumindest aus Sicht der Industrie aus der Nahrungsmittelproduktion kaum mehr wegzudenkenden, Zusatzstoffs einhergehen können.

„Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall bis hin zum Tod“

Professor Michael Roden vom Deutschen Diabeteszentrum erläutert: „Das Problem bei Palmöl ist der Gehalt an gesättigten Fettsäuren.“ Denn dieser führe zu einer Verschlechterung der Blutfette. Insbesondere das sogenannte schlechte LDL-Cholesterin könne ansteigen. Dadurch könne die Insulinwirkung im Körper verschlechtert werden - bis hin zur Steigerung des Diabetesrisikos, so der Experte.

Eine Schädigung der Gefäßwand und sogenannter oxidativer Stress könne „dazu führen, dass die Gefäßverkalkung begünstigt wird und die ist ein Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall bis hin zum Tod“.

Und auch Verbraucherschützerin Umbach rät Kunden „vom übermäßigen Verbrauch von Palmöl-Produkten ab“. Beim Erhitzen von fett- und salzhaltigen Lebensmitteln könnten sogenannte 3-MCPD- Fettsäureestern entstehen. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnte vor drei Jahren, diese Substanz löse „im Tierversuch ab einer bestimmten Dosierung Tumore aus".

In Babynahrung besonders gefährlich

Das BfR kam bereits 2009 zu dem Ergebnis, dass Säuglinge, die ausschließlich mit industriell gefertigter Babymilch ernährt werden, gesundheitlich bedenkliche Mengen an Glycidol aufnehmen würden. Hersteller von Babynahrung müssten „deswegen vorsorglich alle Anstrengungen unternehmen, um die Gehalte an Glycidol-Fettsäureestern in diesen Produkten so weit wie möglich zu reduzieren“. Und auch Konsumentenschützerin Umbach sagt: „In Babynahrung haben solche Stoffe nicht zu suchen.“

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, die Zufuhr von gesättigten Fettsäuren auf sieben bis zehn Prozent der täglichen Gesamtenergiezufuhr zu beschränken. Bei der Verbraucherzentrale NRW heißt es, wenn Konsumenten sehr viele Produkte mit Palmöl essen würden, würden sich die Fettsäuremuster „in einen ungünstigen Bereich verschieben“. Klar sei aber auch: „Die Dosis macht das Gift."

Eine Sprecherin des Spitzenverbands der Lebensmittelwirtschaft sagt auf Anfrage: "Ob letztendlich ein ausgewogenes Verhältnis an gesättigten sowie einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren erreicht wird, ist abhängig von der Ernährung insgesamt und von allen verzehrten Lebensmitteln, nicht jedoch von einem einzelnen Produkt." Lebensmittel seien nicht per se gesund oder ungesund - entscheidend sei "ein gesunder Lebensstil insgesamt". Es sei dabei nicht maßgeblich, "ob heute oder morgen mehr oder weniger eines einzelnen Lebensmittels verzehrt wird".

Ferrero ließ eine Anfrage der Huffington Post unbeantwortet. Nestlé wies die Kritik dagegen gegenüber dem SWR, der erst kürzlich über die Gefahren von Palmöl berichtet hatte, zurück: „Nur ein übermäßiger Verzehr an gesättigten Fettsäuren kann sich negativ auf den Blutfettspiegel auswirken.“

Die Diskussion wird in Zukunft sicher noch heftiger geführt werden. Denn seit auch andere Ölsorten wie Rapsöl aus ökologischen Gründen zunehmend in die Kritik geraten, dürfte der Anteil an Palmöl auf dem Weltmarkt sicher nicht allzu schnell geringer werden.

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