POLITIK
17/10/2015 14:19 CEST | Aktualisiert 17/10/2015 14:21 CEST

Kardinal Burke: Eine Kirche, die Homosexualität akzeptiert, ist nicht mehr katholisch

Die Angst bei den konservativen Kirchenfürsten vor einer Richtungsänderung der katholischen Kirche in Fragen der Sexualmoral ist groß. Nach dem westafrikanischen Kardinal Sarah warnt nun auch der aus den USA stammende Kardinal Burke vor einer Kirche, die Homosexualität akzeptiert und dann nicht mehr katholisch sei.

Kardinal Raymond Burke gilt weltweit als Stimme der konservativen bis reaktionärem Katholiken und als Gegengewicht zu dem in Familienfragen als liberal geltenden Papst Franziskus. Nun hat er sich klar zur derzeit im Vatikan tagenden Familiensynode positioniert. Auf der Pressekonferenz der Lobbygruppe „Voice oft he Family“ rief er alle Gläubigen zum Sturmgebet auf. Sie sollen darin Gott bitten, dass die katholische Kirche weiterhin am primären Erziehungsrecht der Eltern fest hält und dieses nicht in die Hand von Schulen gibt.

Sexualaufklärung als Attacke auf Ehe und Familie

Heute müssten die Eltern besonders wachsam sein. In manchen Ländern würden die Schulen zu Instrumenten gemacht, die Kindern systematisch eine Feindlichkeit gegen das christliche Leben anerzögen. Das sehe man besonders an der „sogenannten Gender-Erziehung in einigen Schulen, die eine direkte Attacke auf die traditionelle Ehe und Familie darstellt.“

Der Kardinal ließ keinen Zweifel daran, dass er mit Gender-Erziehung v.a. die Erziehung zu mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen meint. Eine Gleichsetzung, die auch von Homo-Aktivisten immer wieder vorgenommen wird und daher auch auf den Demonstrationen für und gegen die Bildungspläne in Deutschland zu Missverständnissen geführt hatte.

Verurteilung von Homosexualität muss in der gesamten katholischen Kirche gelten

Auch den auf der Familiensynode aufgekommenen Vorschlag, den einzelnen Bischöfen bzw. Bischofskonferenzen die Entscheidung über die „gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität“ zu überlassen und diese nicht mehr zentral vom Vatikan aus zu regeln, lehnte Burke ab: „Die ist schlicht dem katholischen Glauben und Leben entgegen gesetzt“.

Es gebe weltweit nur eine wahre Kirche und die könne ihre Wahrheiten nicht verändern. Eine Kirche, die eine Toleranz von Homosexualität auch nur in einzelnen Teilkirchen akzeptiere, sei nicht mehr katholisch.

Kardinal Burke war in den letzten Jahren immer wieder durch heftige Aussagen zur Homosexualität aufgefallen. So verglich er Homosexuelle mit Mördern, die nur nett tun, es in Wirklichkeit aber nicht sind. In der Pressekonferenz sprach sich Burke zudem gegen den von Kardinal Walter Kasper kommenden Vorschlag aus, wiederverheiratete Geschiedene in der katholischen Kirche zur Kommunion zuzulassen.

Eine klare Gegenposition zu Burke hat heute Erzbischof Blase Cupich von Chicago eingenommen, der auf persönliche Einladung von Papst Franziskus an der Synode teilnimmt: Er plädierte dafür die Gewissensentscheidung von praktizierenden Homosexuellen und wiederverheirateten Geschiedenen zu respektieren. Ihnen selbst solle man es überlassen, ob sie die Sakramente empfangen wollen oder nicht.

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