POLITIK
16/10/2015 12:55 CEST | Aktualisiert 19/10/2015 07:08 CEST

Rafik Schami: "Sagt den Flüchtlingen, dass dies ein christliches Land ist"

dpa
Rafik Schami: "Sagt den Flüchtlinge, dass dies ein christliches Land ist"

Wenn Rafik Schami etwas sagt, hat das Gewicht.

Weil er einer der wichtigsten Schriftsteller der Gegenwart ist.

Wenn Rafik Schami nun etwas zur Flüchtlingskrise sagt, hat das noch mehr Gewicht.

Weil er aus Erfahrung sprechen kann.

Er wurde 1946 in Damaskus geboren, ist als Mitglied einer christlich-aramäischen Minderheit aufgewachsen, floh als junger Mann mit gefälschtem Pass vor Zensur und Militärdienst und lebt seit 1971 in Deutschland. Er hat in Chemie provomiert. Er hatte schon in seiner Heimat geschrieben – und ist jetzt Bestsellerautor.

Im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ schildert er seine Sicht der Dinge auf die Flüchtlingskrise.

Den Deutschen rät Schami, sie sollten von der Regierung einen Plan verlangen, „ehe sie so viele Menschen nach Deutschland lässt“.

Den Flüchtlingen würde Schami sagen, „dass dies ein christliches Land ist, das bestimmte Werte hat. Wenn du nicht von einer Lehrerin unterrichtet werden möchtest - gut, geh nach Saudi-Arabien, da unterrichten dich nur Männer! Und sie müssen die Sprache lernen, so schnell wie möglich.“

Es sind harte Worte. Schami kann sie sich leisten – weil er angekommen ist. Und weil er weiß, wovon er spricht.

Schami mag in Deutschland eine neue Heimat und beruflichen Erfolg gefunden haben. Seine Heimat kann er trotzdem nicht vergessen. Sein neues Buch "Sophia oder der Anfang aller Geschichten" spielt in der Zeit vor dem Ausbruch des Krieges in Syrien. Wie der Protagonist darin habe er sich immer vorgestellt, „dass ich eines Tages zurückkehre, um dem Regime zu zeigen: ‚Ich bin da! Ihr habt mich nicht gebrochen’“, sagte Schami im Interview mit der Zeitung.

Schamis Methode, mit der Sehnsucht umzugehen, ist der Humor. Dem „Deutschlandfunk“ sagte er, „Lachen ist eigentlich eine Tankstelle für den Widerstand, langfristig im Exil zu leben. Sonst geht man unter. Lachen gibt viel Kraft und öffnet auch den Kopf für schwierige Inhalte.“

Schami hat mit der christlichen Identität allerdings einen wunden Punkt angesprochen. Für viele katholische und evangelische Christen spielt die Religion im Alltag kaum eine Rolle. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das Thema kürzlich angesprochen, als eine Bürgerin sie fragte, wie sie Europa und seine Kultur schützen wolle. Das sagte Merkel: "Wir haben doch alle Chancen, uns zu unserer Religion zu bekennen. Dann haben wir doch den Mut, zu sagen, dass wir Christen sind. Dann haben wir doch den Mut, in einen Dialog einzutreten."

"Lasst endlich niemanden mehr rein": Hier rechnet ein Flüchtling mit Merkels Willkommenskultur ab

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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