POLITIK
16/10/2015 17:35 CEST | Aktualisiert 16/10/2015 18:23 CEST

Linke fordert Aufklärung über Rolle der Politik im WM-Skandal

Franz Beckenbauer, Sepp Blatter und Gerhard Schröder (v. l.)
dpa
Franz Beckenbauer, Sepp Blatter und Gerhard Schröder (v. l.)

Hamad Bin Khalifa Al-Thani war im Mai 1999 nicht alleine nach Berlin gekommen. Alleine zwölf Frauen begleiteten den Emir von Katar bei seiner Reise in die Bundeshauptstadt, wo dieser samt Hofstaat in einem Luxushotel residierte.

Vor den Staatsgesprächen mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gingen die Besucher aus dem Golf-Staat erst einmal in Berliner Nobelgeschäften kräftig shoppen. Und offenbar verlief der Besuch nicht nur für die Damen zufriedenstellen - sondern auch für die Bundesregierung.

Schröder leistete, wie die „Süddeutsche Zeitung“ im Juni dieses Jahres berichtete, bei dem Ansinnen der Bundesregierung, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu holen, beim Emir massive Überzeugungsarbeit.

"Wohlwollen" des Emirs

Schröders Einsatz lohnte sich. Der Staatslenker aus Katar habe sich "wohlwollend geäußert", hielt das Kanzleramt laut "SZ" in einem Vermerk vom 1. Juni 1999 fest.

Als Deutschland Anfang im Juli 2000 mit nur einer Stimme Mehrheit den Zuschlag für die WM bekam, geschah dies auch dank der Hilfe des Wüstenstaats. Dessen Vertreter in der Fifa-Exekutive stimmte für die Bundesrepublik.

DFB und Politik, Hand in Hand

Bei den Bemühungen, die Weltmeisterschaft nach Deutschland zu holen, standen Mitglieder der Bundesregierung den Funktionären des DFB verlässlich beiseite. Bei zahlreichen Gelegenheiten warben sie für die Bundesrepublik als verlässlichen und gastfreundlichen Veranstaltungsort einer solchen Großveranstaltung. Lob kommt dafür bis heute sogar von politischen Gegnern der damaligen rot-grünen Bundesregierung.

Wenn sich etwa ein Kanzler bei einem ausländischen Staatschef für eine WM in Deutschland einsetze, sei dies „nicht nur legitim, sondern sogar verdienstvoll“, sagt etwa Max Straubinger, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Gespräch mit der „Huffington Post“.

Der damalige Innenminister Otto Schily (SPD) war ebenfalls an einer WM in Deutschland interessiert, stellte der Fifa 1999 etwa einen erheblichen Steuernachlass in Aussicht: Die Ertragssteuer in Höhe von 25 Prozent würde dem Fußballverband erlassen.

Wie eng waren die Verflechtungen?

Doch wie eng war die Verflechtung zwischen Politik und Fußballfunktionären in dem Bemühen, die WM nach Deutschland zu holen?

Der„Spiegel“ berichtet, der Erfolg sei mutmaßlich mithilfe einer schwarzen Kasse erkauft worden. Namentlich genannt werden darin verschiedene Fußballfunktionäre - von Verdächtigen aus der Politik ist keine Rede.

Der Chef der Linkspartei, Bernd Riexinger, warf im Gespräch mit der Huffington Post dennoch die Frage auf, ob - sofern sich die Vorwürfe bestätigen sollten - auch Politiker an der Affäre beteiligt gewesen waren oder zumindest davon wussten.

Wörtlich sagte Riexinger, es stelle sich „die Frage, ob der Kreis der Mitwisser wirklich nur auf den Sport beschränkt ist. Die Bemühungen um die WM im eigenen Land wurden von politischer Seite stark unterstützt und daher sollte untersucht werden, wieweit die Unterstützung ging und worüber die Verantwortlichen informiert waren.“

Riexinger hält es für wahrscheinlich, dass vor 2006 tatsächlich betrogen wurde - von wem auch immer. Bereits die Ermittlungen gegen hochrangige Fifa-Funktionäre hätten die Korruption im System Fifa an die Öffentlichkeit gebracht. Da liege es nahe, "dass es bei der Vergabe der Weltmeisterschaften ebenfalls nicht mit rechten Dingen zuging", sagte Riexinger. "Warum sollte es ausgerechnet bei der WM in Deutschland anders gewesen sein?"

Sollten die Vorwürfe, wie im "Spiegel" benannt, sich bewahrheiten, dann erwartet Riexinger, dass der "Sumpf auf Korruption und Bestechung dringend trockengelegt" wird.

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