ELTERN
18/10/2015 08:37 CEST

Kindheit ohne Risiken - warum es wichtig ist, Kinder auch mal Gefahr spüren zu lassen

Brothers and sister having fun sitting on tree
Imgorthand via Getty Images
Brothers and sister having fun sitting on tree

Wenn es ums eigene Kind geht, dann möchte man es natürlich vor allem schlechten, schmerzvollen und gefährlichen beschützen, was es in dieser Welt gibt. Aber wie Dori aus Disneys "Findet Nemo" schon Marlin riet: "Du kannst doch nicht zulassen, dass ihm nie etwas passiert. Dann passiert ihm ja nie etwas!"

Kinder leben in einer Welt, die auf ein Minimum an Risiken reduziert ist. Sie wachsen in einer gut gepolsterten, doppelt versicherten Kugel aus Panzerglas auf, in der sie von ihren Eltern vom Babyalter bis zu ihrer Studienzeit sicher durchs Leben manövriert werden. Doch das ganze hat einen Nachteil: Risiko und dessen Einschätzung ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens.

Gesunde Risiken sind lebensnotwendig

Entfernt man also jegliche Risiken aus dem Leben eines Menschen, ist das nicht nur ziemlich langweilig, sondern man raubt dem Kind auch die Chance, eine gesunde Einstellung zu Gefahren zu entwickeln. Und den richtigen Umgang damit. Risiko ist eine enorm wichtige Erfahrung für Kinder, wie es jetzt in einem parlamentarischen Bericht aus Großbritannien heißt.

Gesunden Risiken ausgesetzt zu sein, lehrt Kinder, ihre persönlichen - vor allem physischen - Fähigkeiten und Grenzen auszutesten und kennenzulernen. Sogar die Angst vor einem Sturz oder einer Verletzung kann einen positiven Effekt haben.

Wer vor allem beschützt wird, sucht sich seine Gefahren selbst

Da der Drang nach Risiken fester Bestandteil des menschlichen Lebens ist, entsteht ein weiteres Problem, wenn besorgte Eltern ihre Kinder vor jeglicher Gefahr abschirmen: Sie suchen das Risiko woanders - an Orten, die ihren Eltern verborgen bleiben. Der Nachteil daran ist, dass diese Risiken für die Eltern nicht einschätzbar sind.

Es klingt logisch: Wenn die "echte" Welt da draußen so langweilig gemacht wird, dann steigt die Attraktivität von Videospielen und dubiosen Internetseiten. Jugendliche neigen später eher zu selbstzerstörerischem Verhalten.

Die Welt da draußen ist es wert, sie kennenzulernen

Natürlich soll sich niemand dazu aufgerufen fühlen, sein Kind in einem Bärengehege auszusetzen und mal abzuwarten, was passiert. Es geht darum, eine gesunde Dosis Risiko und Eigenverantwortung im Leben unserer gepamperten Kinder zuzulassen.

Das beginnt schon damit, Kinder unbeaufsichtigt im Garten spielen, unter Hecken herumkriechen oder auf dem Klettergerüst turnen zu lassen. Ohne dass man mit einem Fangnetz daneben steht.

Angst muss nichts schlechtes sein

Das Kind wird vermutlich mit mehr Kratzern zurückkommen - aber es wird in Zukunft wahrscheinlich vorsichtiger und vernünftiger mit riskanten Situationen umgehen.

Angst ist in dieser Gesellschaft ein sehr negativ bewertetes Wort - zu Unrecht! Angst ist notwendig, um zu lernen, Situationen einschätzen und tatsächliche Gefahren erkennen zu können. Und unter uns: Dieses Kribbeln, wenn man verbotene Orte erkundete oder von einer viel zu hohen Mauer gesprungen ist, hat sich doch verdammt gut angefühlt, oder?

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