LIFESTYLE
18/10/2015 09:00 CEST

Wissenschaftlich erwiesen: Warum es uns glücklicher macht, Geld für Erlebnisse auszugeben statt für Gegenstände

Terry Husebye via Getty Images
Warum es euch viel glücklicher macht, Geld für Erlebnisse als für Gegenstände auszugeben

Unser ganzes Leben lang suchen wir nach Glück. Unsere Gedanken, unser Handeln, alles, was wir jeden Tag tun, ist diesem Ziel untergeordnet. Unser Körper braucht Glücksgefühle genauso dringend wie Nahrung.

Wenn wir zu wenig positive Gedanken haben und zu wenig Glückshormone, werden wir krank. Erst psychisch und dann körperlich. Wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen das.

Obwohl Glück also so wichtig für unsere Gesundheit ist, gehen wir zum Teil ziemlich lieblos damit um. Wir arbeiten bis zum Limit, wir schlafen zu wenig, wir widmen uns mit viel Leidenschaft all den Dingen, die an uns nicht perfekt sind.

Das Streben nach Glück ist zu einem Streben nach Schönheit, Erfolg und Geld geworden. Das Resultat sind dramatisch steigende Zahlen psychischer Erkrankungen wie Depressionen und Burn-out.

All das beruht auf einem Gedanken, den Medien und Unternehmen uns über Jahrzehnte hinweg sehr erfolgreich eingeimpft haben: Konsum macht dich glücklich. Wenn du dir Dinge kaufen kannst, wirst du glücklich. Doch das stimmt nur zum Teil.

José Mujica, ehemaliger Präsident von Uruguay, beschreibt diese Falschannahme sehr treffend. Er sagt:

"Wir haben Berge von überflüssigem Bedarf angehäuft. Ständig müssen wir kaufen, wegwerfen, kaufen... Es ist unser Leben, das wir verschwenden. Denn wenn wir etwas kaufen, bezahlen wir nicht mit Geld. Wir bezahlen mit unserer Lebenszeit, die wir aufwenden mussten, um dieses Geld zu verdienen. Der Unterschied ist: Leben lässt sich nicht kaufen. Es vergeht einfach. Und es ist schrecklich, dein Leben zu verschwenden, indem du deine Freiheit verlierst."

Was also macht uns glücklich?

Selbstakzeptanz und Selbstliebe spielen zum Beispiel eine große Rolle. Das sagen Psychologen. Auch die Beziehungen in unserem Leben und unsere persönliche Entwicklung haben Einfluss auf unsere Stimmung.

Und, das dürfte einige überraschen, auch Geld macht uns glücklich. Zumindest bis zu einem bestimmten Grat. Wenn wir unsere Grundbedürfnisse durch Geld absichern können, sind wir zufrieden. Doch darüber hinaus macht Geld keinen großen Unterschied mehr für unser Glück. Entscheidend ist hingegen, wie wir unser Geld ausgeben.

Wenn wir uns ein neues Smartphone oder ein Auto kaufen, kann uns das durchaus glücklich machen. Aber eben nur für eine kurze Zeit. Nach ein paar Wochen achten wir schon nicht mehr so pingelig darauf, dass das neue iPhone keinen Kratzer abbekommt.

Auch der typische Duft, den ein neues Auto hat, ist bald verflogen. Und schon sehnen wir uns nach einem neuen Glücksmoment. Wir kaufen das nächste materielle Gut und fühlen uns für kurze Zeit besser. Es ist wie eine Droge und wir alle sind abhängig.

"Einer der größten Feinde des Glücks ist die Gewohnheit", sagt Dr. Thomas Gilovich von der Cornell University. Der Psychologe beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Zusammenspiel von Geld und Glück.

Seiner Ansicht nach macht es uns sehr viel glücklicher, wenn wir unser hart verdientes Geld in eine Erfahrung investieren. Das kann eine Reise sein, das Erlernen einer neuen Fähigkeit, oder der Besuch einer Kunstausstellung.

Die Erlebnisse, die wir uns auf diese Weise ermöglichen, machen uns dauerhaft glücklich. Wir erinnern uns wieder und wieder an sie oder erzählen anderen davon. Unsere Erfahrungen werden zu einem Teil von uns. Sie erweitern unseren Horizont und beeinflussen unsere Persönlichkeit. Und über welchen Gegenstand können wir schon so etwas sagen?

Wenn wir weniger Geld für Materielles ausgeben und mehr für Erlebnisse, passiert sogar noch etwas anderes. Wir vergleichen nicht mehr unseren Besitz mit dem von anderen, sondern unsere Erfahrungen. Es ist nicht mehr so wichtig, wie teuer das Auto im Vergleich zu dem eines Kollegen war. Oder dass ein Bekannter das neue Smartphone hat.

Wenn wir uns diesen Gedanken einmal verinnerlichen, können wir wirklich etwas bewegen. Wir können Glück aktiv in unser Leben ziehen. Und wir können andere mitreißen.

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