POLITIK
16/10/2015 11:09 CEST | Aktualisiert 16/10/2015 15:59 CEST

Neue Hinweise: Fifa-WM 2006 in Deutschland wurde angeblich gekauft

Neue Hinweise: Fifa-WM 2006 in Deutschland wurde offenbar gekauft
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Neue Hinweise: Fifa-WM 2006 in Deutschland wurde offenbar gekauft

Die Fußball-WM 2006 in Deutschland war einem Medienbericht nach offenbar gekauft. Das berichtet der "Spiegel". Demnach hatte das Bewerbungskomitee eine schwarze Kasse eingerichtet. Mit dem Geld sollen vier Stimmen aus Asien im Fifa-Exekutivkomitee gekauft worden sein.

Das Geld soll vom damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus stammen, 10,3 Millionen Schweizer Franken. Louis-Dreyfuß soll es aber vor der WM zurückgefordert haben.

Franz Beckenbauer, damals Chef des Bewerbungskomitees, soll dem Bericht nach davon gewusst haben, ebenso seit spätestens 2005 der heutige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, des weiteren andere "hochrangige Fußballfunktionionäre". Nach Dreyfuß' Rückforderung soll das Organisationskomitee versucht haben, die Summe unauffällig zurückzuzahlen. Über einen höchst dubiosen Umweg offenbar, an dem auch die Fifa beteiligt war.

Die Beschuldigten Beckenbauer, Niersbach und die drei noch lebenden Asiaten und der DFB nahmen gegenüber dem "Spiegel" keine Stellung.Der DFB verschickte später aber eine Pressemitteilung.

In der Mitteilung gibt der DFB zu: Es habe Ungereimtheiten um eine Millionen-Zahlung im Vorfeld der WM 2006 in Deutschland. Dem DFB seien "Hinweise bekannt geworden, dass im April 2005 eine Zahlung des Organisationskomitees der WM 2006 in Höhe von 6,7 Millionen Euro an die Fifa geleistet wurde, die möglicherweise nicht dem angegebenen Zweck entsprechend verwendet wurde", heißt es in der Erklärung. Eigentlich sollte das Geld für das Kulturprogramm der Fifa genutzt werden, mit dem seinerzeit fast 50 Kulturprojekte rund um die Weltmeisterschaft unterstützt wurden. Wohin die Millionen tatsächlich geflossen sind, sei noch unklar.

Den Vorwurf, die WM sei gekauft, weist der DFB aber zurück: "Im Rahmen seiner Prüfungen hat der DFB keinerlei Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gefunden. Ebenso wenig haben sich irgendwelche Anhaltspunkte dafür ergeben, dass Stimmen von Delegierten im Zuge des Bewerbungsverfahrens gekauft wurden."

Pikant ist, dass Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident interne Untersuchungen über Zahlungen eines Komitees in Auftrag gegeben hat, dem er seinerzeit als geschäftsführender Vizepräsident und Medienchef selbst angehört hat.

Der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger fordert derweil den kompletten Rücktritt des Exekutivkomitees der Fifa. Der skandalumwitterte Weltverband befinde sich "in der Hand der Staatsanwaltschaften und in der Hand des FBI", sagte Zwanziger dem "Spiegel".

Die Fifa will die Vorwürfe untersuchen. "Dies sind sehr schwere Beschuldigungen", teilte der Verband am Freitagabend mit.

Mit Material von dpa

UPDATE 20 Uhr: Der Text wurde um die Stellungnahme der Fifa ergänzt.

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